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Das Fasten beginnt auch im Wolfhager Land mit dem Aschermittwoch und ist so beliebt wie noch nie

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Von: Lea Beckmann

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Ein Apfel und ein Glas Wasser sollen für das Fasten stehen
Das bewusste Verzichten auf Essen, das sogenannte Fasten ist derzeit so beliebt wie noch nie bei den Deutschen. Ab Aschermittwoch heißt es wieder auf Süßigkeiten, Alkohol oder auf Zigaretten verzichten. © Cornelia Gierth/epd

Das Fasten ist derzeit so beliebt wie noch nie. Knapp zwei Drittel der Deutschen haben schon mindestens einmal bewusst für längere Zeit auf Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet.

Wolfhager Land – Gerade jetzt nach der Karnevalszeit beginnt auch im Wolfhager Land traditionell mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Für Monika Günst, Ernährungsberaterin aus Naumburg, ist das Fasten in der Fastenzeit ein fester Bestandteil.

Bewusster Verzicht

„Der Sinn des bewussten Verzichts auf Essen, besteht auch in einer inneren Reinigung und Regeneration von Körper und Psyche.“ Worauf man beim Fasten verzichtet, das sei einem völlig selbst überlassen. „Man kann auf Süßigkeiten und Zucker verzichten, aber auch auf Alkohol, Fleisch, Kaffee, Zigaretten oder aber auch auf Fernsehen oder Plastikmüll“, so Günst. Doch beim Fasten sollte man auf keinen Fall auf ausreichende kalorienfreie Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Wasser oder Tee verzichten. Natürliche Anteile in flüssiger Form, wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig dürfen auch zu sich genommen werden. „Es sollten maximal ca. 500 Kalorien pro Tag sein“, so Monika Günst.

Bewegung im Freien

„Es ist auch wichtig, dass man sich regelmäßig an der frischen Luft bewegt, das tut dem Körper einfach gut“, erklärt die Ernährungsberaterin. Spaziergänge können sogar gegen auftretende Hungerattacken helfen, da der Körper durch die Bewegung abgelenkt wird. Man solle generell nicht auf Sport beim Fasten verzichten. Doch in den ersten Tagen sollte man es ruhiger angehen lassen und sich öfter Ruhe gönnen, da der Körper sich erst mal auf das Fasten umstellen müsse.

Körper vorbereiten

Wichtig sei auch, dass man sich auf das Fasten vorbereitet. Dies sollte in Form einer gründlichen Darmreinigung geschehen. Natürlich abführende Mittel seien unter anderem Sauerkraut- und Pflaumensaft. „Die Darmentleerung unterbricht den Hunger-Reflex und ist so die beste Vorbereitung auf eine hungerfreie Zeit“, sagt die Ernährungsberaterin. So würde der Körper an die verminderte Nahrungszufuhr gewöhnt werden und reagiert in der Regel nicht mit massiven Hungerattacken.

Fastenbrechen

„Das Fasten endet dann mit den ersten festen Bissen, dem sogenannten Abfasten oder Fastenbrechen“, erklärt Günst. Man könne zum Beispiel die Zeit des bewussten Verzichts mit einem saftig-fruchtigen Apfel oder einer warmen Pellkartoffel beenden. „Dabei ist gutes Kauen sehr wichtig, denn dabei werden der Speichelfluss, die Verdauungssekrete und die Darmtätigkeit aktiviert.“ Mit Frischkost könne man zusätzlich die Darmtätigkeit unterstützen. Diese Heranführung an die feste Nahrung nach dem Fasten sind die sogenannten Aufbautage. „Die Aufbautage sollten möglichst ein Drittel der Fastenzeit ausmachen“, sagt Monika Günst.

Kirchliche Bedeutung

Die 40-tägige Fastenzeit, von Aschermittwoch bis Ostern, ist vor allem bei den katholischen Christen von Bedeutung. „Es tut der Seele und dem Körper gut, für eine gewisse Zeit zu fasten. Es geht darum, konsequent auf etwas lieb gewonnenes zu verzichten“, erklärt der katholische Pfarrer Marek Prus aus Zierenberg. Beten, Fasten und Geben sind die drei Dinge, die den Christen in der Fastenzeit auf den Weg gegeben werden. „Die Fastenzeit gilt als Zeit der inneren Umkehr, in der man nicht immer nur an sich denkt, sondern Verzicht übt zugunsten anderer und den Dialog mit Gott sucht, um das wirklich Wichtige in den Blick zu nehmen“, so Pfarrer Prus.

Nicht für jeden sinnvoll

Doch das Fasten ist nicht für Jedermann geeignet. „Wenn man übergewichtig ist, dann könnten beim extremen Fasten, Giftstoffe freigesetzt werden, die nicht gut für den Körper wären“, erklärt der Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow aus Wolfhagen. Auch bei Diabetes sollte man wegen möglicher Zuckerschwankungen aufpassen. Fasten sollte man bei Schwangerschaft, Gicht, Schilddrüsenerkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen und Demenz sein lassen.

Fasten ausprobieren

„Beim Fasten ist auf jeden Fall die Vorbereitung sehr wichtig und wenn man sich nicht so gut mit dem Fasten auskennt, dann sollte man es erst mal zwei Tage versuchen“, so Runow. Danach solle man in seinen Körper hineinhorchen und schauen, wie der Körper mit dem Fasten umgeht. „Bei radikalem Fasten sollte man dennoch aufpassen. Ich persönlich bevorzuge eher eine langsame aber dauerhafte Kalorienreduktion“, so der Umweltmediziner. So könne sich der Körper besser an die Veränderung gewöhnen. (Lea Beckmann)

Verzicht soll gut vorbereitet werden

Beim Fasten ist es einem völlig selbst überlassen, wie lang man fastet und in welcher Form man dies tut. Man kann zum einen auf bestimmte Lebensmittel, wie Süßigkeiten oder Alkohol verzichten. Fasten bedeutet aber auch, dass man zum Beispiel auf sein Handy eine bestimmte Zeit verzichtet.

„Das Optimum des therapeutischen Fastens liegt bei zwei bis vier Wochen“, erklärt die Ernährungsberaterin Monika Günst. Doch man sollte dabei immer die individuelle Ausgangslage und den Verlauf berücksichtigen. Jeder Mensch reagiere auf die gleiche Fastenkur nämlich unterschiedlich. „Bei Menschen mit geringem Ausgangsgewicht, können kürzere Fastenperioden auch von Vorteil sein“, so Günst. Die sinnvolle Mindestdauer einer Fastentherapie beträgt allerdings sechs bis acht Tage. Dazu kommen noch ein bis zwei Tage zur Vorbereitung und rund drei Aufbautage. Beim Fasten hat man allerdings auch die Möglichkeit nicht dauerhaft auf das Essen zu verzichten. Es gibt auch das Intervallfasten. Wie der Name sagt, isst man dabei in Intervallen. Monika Günst hat selbst schon die 16:8 Methode ausprobiert. Das bedeutet, sie hat 16 Stunden gefastet und 8 Stunden normal gegessen. Beim Intervallfasten gibt es aber noch die 5:2 Methode. Die besagt, dass man fünf Tage in der Woche normal essen soll und an den restlichen zwei Tagen wird dann gefastet. (bec)

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