„Das Glas ist fast voll“: Innenstadt-Entwicklung im Fokus

Homberg. Es gab Zeiten, da hat man in Homberg vergeblich auf Investoren gewartet. Jetzt klopfen gleich zwei an die Rathaustür.

Konkret hat der Projektentwickler Ratisbona aus Regensburg Interesse, auf dem Weckesser-Gelände am Schmückebergsweg einen Netto-Markt zu errichten. Und: Projektplaner des Frankfurter Unternehmens Schoofs wollen auf dem Ulrich-Gelände an der Kasseler Straße aktiv werden.

Das Problem: Ratisbona möchte so schnell wie möglich loslegen und keine Zeit verlieren, das machte das Unternehmen in einem eindringlichen Schreiben an die Stadt deutlich. Man werde klagen, sollte die Stadt der Bauvoranfrage nicht zustimmen, heißt es darin.

Trotzdem verhängten die Stadtverordneten am Donnerstag bei ihrer Sitzung in Holzhausen eine Veränderungssperre für das Weckesser-Gelände. Was eine - zumindest vorläufigen - Absage an die Ratisbona-Pläne ist. Grund dafür: Man brauche Klarheit im Innenstadtbereich, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Deshalb wolle man dem geplanten, von einem Experten moderierten Prozess über mögliche Wechselwirkungen nicht vorgreifen. Es müsse um eine Entwicklung mit Sinn und Verstand gehen.

Daher bat die Stadt Ratisbona um Zeit - bis Ende Mai. Dann könne man mehr sagen, über Entwicklung und Auswirkungen. Ritz zeigte sich zuversichtlich, dass man beide Vorhaben realisieren könne. Und betonte, dass man weiter gesprächsbereit sei.

Es gebe bereits reichlich Einzelhandel in Homberg, das belege eine Studie. „Das Glas ist fast voll“, sagte Ritz und füllte ein Wasserglas. Mit dem zusätzlichen Netto-Angebot fülle sich das Glas weiter. Komme dann Einzelhandel auf dem Ulrich-Gelände hinzu, könne es sogar überlaufen. Mögliche Folge: Für die Pläne auf dem Ulrich-Gelände gibt es von der Regionalplanung eine Absage. Das Glas dürfe nicht überlaufen. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen.

Stimmen 

„Wir haben lange darauf gewartet, dass das Opel-Areal weiterentwickelt wird“, sagte Dietmar Groß (FWG). Jetzt seien die Stadtverordneten in der Pflicht zu entscheiden, was Homberg nach vorne bringt.

Klaus Bölling (Grüne): Die Innenstadt müsse im Fokus der Entwicklung stehen. Daher sollte das Ulrich-Gelände bevorzugt beplant werden. Es könne zum Magneten werden.

Man freue sich über Neuansiedelungen, betonte Joachim Pauli (CDU). Und habe versucht, für beide Seiten eine sinnvolle Lösung zu finden, daher sei er enttäuscht vom Schreiben und der Klage-Drohung von Ratisbona.

Die SPD sprach sich gegen die Veränderungssperre aus: Man sehe keinen unmittelbaren Zusammenhang zur Innenstadtentwicklung, wenn auf dem Weckesser-Gelände ein Netto entstehe. Stefan Gerlach warf der Stadt Protektionismus vor. Darum gehe es nicht, so Ritz. „Wir können uns die innerstädtische Entwicklungschance nicht nehmen.“ Er betonte, dass die Bauleitplanung ureigenster Inbegriff der kommunalen Selbstverwaltung sei.

Das sagen...

Investor Ratisbona 

Die Entscheidung der Homberger Stadtverordneten sei sehr zweifelhaft, sagt Johann Delling vom Projektentwickler Ratisbona im HNA-Gespräch. Ein Gutachten, das belege, dass ein Netto-Markt auf dem Weckesser-Gelände nicht schädlich für die Innenstadt sei, hätten die Stadtverordneten nicht mit in ihre Entscheidung einfließen lassen.

„In Homberg baut man sich wieder ein Traumschloss, das zerplatzen wird und konkrete Projekte, wie unseres verhindert“, so Delling. Ratisbona halte an den Planungen fest und reiche Klage ein. Es sei das erste Mal in seiner Laufbahn, dass eine Stadt ein für sie positives Projekt ablehnt. Dabei würde die Homberger Innenstadt vielmehr durch eine viel größere Verkaufsfläche auf dem Opel-Gelände geschwächt als durch einen kleinen Netto-Markt. Ratisbona habe sich nicht auf Ende Mai vertrösten lassen, weil man davon ausgehe, dass auch dann keine Entscheidung gefallen sei. Man werde schon seit einem halben Jahr hingehalten. In Homberg schaffe man Probleme, statt sie zu lösen. Dennoch: Man sei weiter verhandlungsbereit.

Bürgermeister Dr. Ritz 

Dass der Projektentwickler Ratisbona mit dem Beschluss unzufrieden ist, könne er nachvollziehen, sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Die Stadt habe aber stets deutlich gemacht, dass Innen- vor Außenentwicklung gehe. Und auch, dass man noch Zeit für die Entscheidung brauche. Er würde gerne weiterverhandeln. Die Tür für das Projekt sei nicht zu. Eine Veränderungssperre sei nicht das Ende.

Abstimmung: 17 Stadtverordnete sprachen sich für die Veränderungssperre aus, 13 dagegen.

Quelle: HNA

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