Auf Dauer hilft der heiße Tropfen

Fritzlarer Organisation kümmert sich seit 40 Jahren um das Wohl von Kindern

Das House of Hope in Haiti: Patenkinder kommen aus der Schule und begrüßen die Gäste in Pignon.

Fritzlar. Ob in Äthiopien oder Uganda, auf Haiti oder in Indien: Das Kinderhilfswerk Global-Care, dessen Zentrale in Fritzlar beheimatet ist, kümmert sich seit fast 40 Jahren um das Wohl von Kindern.

Immer und vor allem dort, wo es dringend nötig ist - entweder, weil die Menschen unter den Folgen einer Naturkatastrophe leiden oder weil die Lebensbedingungen besonders für Kinder langfristig verbessert werden sollen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit auch im vergangenen Jahr war der Inselstaat Haiti in der Karibik, der am 12. Januar 2010 von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Hunderttausende starben, Zigtausende sind heute noch ohne richtiges Zuhause.

Beate Thomé, seit 1. Januar Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks, ist erst vor einer Woche von einem Besuch auf Haiti zurückgekommen. Global-Care hat dort ein „House of Hope“ gebaut, in dem seit 2013 verwaiste Kinder leben.

„Ihnen geht es gut, sie gehen in die Schule, sind versorgt, haben Nahrung“, sagt Beate Tohmé. 47 Kinder haben dort ein Zuhause gefunden, das hauptsächlich über Patenschaften finanziert wird. Die Kinder haben Gärten angelegt, berichtet sie, ernten ihr eigenes Gemüse. Voller Stolz schenkte ihr ein Junge seine Kartoffelernte, immerhin 15 Stück, die dann aber doch dort gegessen wurden.

Insgesamt sei die Situation in Haiti jedoch problematisch, sagt Tohmé: „Es gibt immer noch große Läger mit temporären Unterkünften“, berichtet sie. Das bedeutet: Hütten aus Planen und Latten, die undicht sind und beim nächsten Sturm wegfliegen.

Von der Regierung neu gebaute Siedlungen für die obdachlos gewordenen Menschen stehen leer, weil sich die Miete keiner leisten kann - auch das ist Realität fünf Jahre nach dem Erdbeben.

Kartoffeln als Geschenk: Patenjunge Remy Pierre (Haiti) hat Beate Tohmé eine Tagesernte aus seinem Garten geschenkt.

„Man kann nur einer bestimmten Menge an Menschen tatsächlich helfen“, sagt dazu Reinhard Berle, Vorsitzender der Stiftung Global-Care. Doch für die Helfer sei es wichtig, dass der berühmte Tropfen auf den heißen Stein vor allem beständig tropfe. Dann bewirke er auch etwas.

Berle, der ebenfalls erst vor kurzem von einer Reise nach Äthiopien und Kenia zurückgekommen ist, hält vor allem die Kontinuität der Hilfe bei der Projektarbeit für wichtig, die neben Patenschaften und Katastrophenhilfe die Arbeit von Global-Care prägt.

Beispiel Projektarbeit: 

Als Beispiel nennt er das Wasserprojekt in Uganda und Sambia: Seit 20 Jahren werden dort von dem Kinderhilfswerk Brunnen gebaut, jeweils einer für 1000 Menschen, damit jeder zehn Liter Trinkwasser pro Tag bekommt.

Inzwischen sind es 54 Projekte in Uganda und 22 in Sambia, die es den Menschen ermöglichen, sauberes Wasser zu bekommen. Entlastet werden damit laut Berle vor allem Kinder und Frauen, die traditionell mühevoll und auf oft weiten Wegen das Wasser transportieren müssen.

Zweites Beispiel für nachhaltige Projekte: das Ausbildungszentrum für Jugendliche in Äthiopien. Seit 2010 werden pro Jahr 100 Jugendliche in einem handwerklichen Beruf ausgebildet. „Nachfragen haben ergeben, dass bisher knapp 400 der Jugendlichen, die ausgebildet wurden, auch anschließend einen Job gefunden haben“, berichtet Reinhard Berle.

Das sei ein wesentliches Erfolgskriterium für das Projekt: Die meisten der Absolventen verdienten Geld, manche machten sich sogar selbstständig.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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