Handel mit Haschisch: Asylsuchender zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Dealer wollte nicht hungern

Treysa. Um den Handel mit Rauschgift im Asylbewerberheim am Harthberg in Treysa ging es gestern vor dem Amtsgericht Schwalmstadt. Vor Gericht verantworten musste sich der Hauptangeklagte in einer Reihe von Verhandlungen nach der Großrazzia im September 2011.

Dem 48-jährigen Äthiopier wurde zur Last gelegt, von Januar bis August vergangenen Jahres in 156 Fällen mit Cannabis und Heroin gedealt zu haben.

Wegen unerlaubten gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in 109 Fällen verurteilte ihn das Gericht zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Zudem trägt er die Kosten des Verfahrens. Der Äthiopier war 1992 nach Deutschland gekommen. Von 1994 bis 2001 lebte er in den Niederlanden. Dort habe er ein zwölfjähriges Kind, zu dem er jedoch keinen Kontakt habe, da er nicht ausreisen dürfe, berichtete der Angeklagte. Anschließend habe er drei Jahre lang in Kanada gelebt, bevor er 2005 nach Deutschland zurückgekommen sei.

Liberale Einstellung

Mit dem Handel von Cannabis habe er im Sommer 2011 begonnen, weil er einige Tage lang gehungert habe und nicht arbeiten dürfe. Den Handel mit Haschisch habe er aufgrund der liberaleren Einstellung in den Niederlanden nicht als so großes Problem angesehen.

„Mein Mandant verwahrt sich gegen den Vorwurf, jemals Heroin verkauft zu haben“, ließ der Angeklagte durch seinen Anwalt erklären. Bei der Beschuldigung zweier Zeugen, sie mit Heroin versorgt zu haben, handele es sich um einen Racheakt.

„Heroin hat natürlich eine andere Qualität“, sagte der Richter. „Das weiß ich, hohes Gericht. Ich liebe dieses Land. Ich kann die Leute nicht mit harten Drogen vergiften“, erklärte der Angeklagte, „aber Haschisch habe ich verkauft“, gab er zu.

Ein 27-jähriger Zeuge aus dem Altkreis Ziegenhain hatte den Angeklagten beschuldigt, ihn im Streit um 90 Euro Drogengeld geschlagen zu haben und ihn wegen Körperverletzung als mutmaßlichen Heroindealer angezeigt. Belastet worden war der Angeklagte auch durch die Aussage der 25-jährigen Freundin des 27-Jährigen. Daraufhin waren die Ermittlungen in der Wohneinrichtung am Harthberg aufgenommen worden.

„Ich hab ihm eine Backpfeife gegeben, weil er mir Geld gestohlen hat“, erklärte der Angeklagte sein Verhalten gegenüber dem 27-Jährigen.

Der Zeuge und seine 25-Jährige Freundin erschienen vor Gericht als nicht glaubwürdig.

Entlastet wurde der Angeklagte durch die Aussage eines 20-jährigen Zeugen aus Hamburg. Auch gegenüber der im Wohnheim eingeschleusten Vertrauensperson der Polizei hatte der Äthiopier stets nur Haschisch angeboten, darunter eine 98,54 Gramm-Platte mit einem Wirkstoffgehalt von 4,9 Prozent zu 380 Euro.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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