Demonstration der eigenen Stärke

Selbstverteidigungskurs für Mädchen in der Naumburger Elbetalschule

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Selbstbewusst Grenzen setzen: Leoni Ritter schaut ihrer Angreiferin, gespielt von Lisa Selzer (links), tief in die Augen und fordert sie lauthals auf, sie loszulassen.

Naumburg. Immer wieder schreit sie diesen einen Satz: „Lassen Sie mich los!“ Leoni Ritter richtet selbstbewusst ihr Knie in Abwehrhaltung gegen die Angreiferin, schaut ihr dabei tief in die Augen, um dann wieder laut zu rufen: „Lassen Sie mich los!“

Die Schülerin aus Altendorf weiß genau, was im Ernstfall zu tun ist, denn sie nimmt schon zum zweiten Mal am zweitägigen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs in der Sporthalle der Elbetalschule teil.

Unter dem Motto „Nicht mit mir! Starke Kinder schützen sich!“ erlernt sie beim gemeinschaftlichen Ferienangebot der Jugendarbeit Naumburg und Bad Emstal mit 16 anderen Mädchen Methoden, um im Alltag potenzielle Gefahren erkennen, vermeiden und im Extremfall abwehren zu können.

Kursleiterin Anette Messing motiviert sie dabei, die Stimme gegenüber Assistentin Lisa Selzer zu erheben, die ihre Angreiferin spielt. „Es ist nicht leicht, einem Erwachsenen in die Augen zu schauen und ihn anzuschreien, da bekommt man ganz schön Angst“, sagt die Elfjährige.

Um die auf spielerische Art abzubauen, geht Messing als ausgebildete Selbstverteidigungstrainerin des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes nach dem Ampelprinzip vor. „Grün ist dabei der erste und vielleicht auch wichtigste Bereich“, sagt die Sozialpädagogin. „Ich gebe den Teilnehmerinnen das Rüstzeug an die Hand, um potentiellen Konflikten vorzubeugen.“ Dabei gehe es vor allem um die Vermittlung sozialer Kompetenz, das Erkennen und Benennen von Gefühlen sowie die Bereitschaft, anderen zu helfen und sich selbst helfen zu lassen.

Die Selbstbehauptung, die Demonstration der eigenen Stärke, steht im Mittelpunkt, wenn die Ampel auf gelb schaltet. „Die Mädchen sollen lernen, eigene Bedürfnisse, Wünsche und Rechte durchzusetzen, Grenzen zu spüren und zu setzen.“ Nur im Ernstfall, der roten Ampel, sei die eigentliche Selbstverteidigung gefragt, wofür sie ihren Schützlingen einfache und wirkungsvolle Techniken beibringt. Dabei helfen Rollenspiele, mit denen Gefahrensituationen durchgespielt und optimale Verhaltens- und Abwehrstrategien eingeübt werden.

In Gruppenarbeit und anschließenden Diskussionsrunden nähern sich die Teilnehmerinnen den verschiedenen Gewaltformen. Themen wie sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch, Stalking, Mobbing sowie Cybermobbing werden altersgerecht aufgearbeitet, die Zivilcourage gefördert. Einen Ernstfall hat Leoni Ritter noch nicht erlebt. „Zum Glück, und ich hoffe, es wird auch nie dazu kommen“, sagt sie voller Respekt.

„Doch wenn, weiß ich ja nun, wie ich mich verhalten muss.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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