Hessenbehörde lenkte nach langer Auseinandersetzung um Burek-Werk ein

Horst W. Gömpel

Schwalmstadt. Das „Denkmal deutsche Ostgebiete“, das 1962 vor dem Ziegenhainer Landratsamt aufgestellt worden war, wird dort wieder aufgebaut, allerdings nicht exakt am selben Punkt. Damit wird auf den Verlauf der Sichtachsen des vor einigen Jahren modern umgestalteten Platzes Rücksicht genommen.

Das Land Hessen beziehungsweise das Hessische Immobilienmanagement (Niederlassung Kassel) hat somit eingelenkt, denn im Zuge der Umgestaltung des Platzes sollte das Denkmal dauerhaft von dort verschwinden. Statt dessen erhielt es einen Platz am Rande des Bediensteten-Parkplatzes nicht weit vom Zaun der Justizvollzugsanstalt entfernt.

Dagegen rührte sich bald Widerstand, der Ortsbeirat sprach sich klar für die Rückversetzung des Denkmals als einzige Option aus, der Magistrat mit Bürgermeister Dr. Gerald Näser verhandelte ausdauernd mit der Kasseler Behörde. Das Denkmal dokumentiere eine historische Situation, und es sei bedauerlich, dass bei der Platzgestaltung die Standortfrage mit den Beteiligten nicht abgestimmt worden sei. Der Respekt vor den Vertriebenen und der Schwalmstädter Bevölkerung gebiete es, dass das Denkmal nicht einfach beiseite geschoben werde, „diese Forderung ist für ein Mahnmal angemessen und bedeutet keine Inszenierung“.

Wille des Ortsbeirates

Damit hat sich Schwalmstadt nun gegen die Landesbehörde durchgesetzt. Bürgermeister Näser ist es dabei wichtig, dass der Entscheidung des Ortsbeirates großes Gewicht beigemessen wird, sagte er im Gespräch mit der HNA.

Ein starkes Sprachrohr für die Angelegenheit war Horst W. Gömpel (Treysa), der zur Zeit zusammen mit seiner Frau Marlene an einem Buch über die Vertriebenen-Thematik in Nordhessen arbeitet. Ein Kapitel darin wird die Überschrift „Das verrückte Denkmal in Ziegenhain“ tragen. Es sei an der Zeit, die Geschichte der Vertreibung aufzuarbeiten, und zwar in Zusammenarbeit mit den Menschen in Tschechien, sagt Gömpel. Er kündigte zugleich an, dass er zusammen mit seiner Frau die Ausstellung „Das verschwundene Sudetenland“ einer Gruppe tschechischer Studenten in die Schwalm holen werde.

Marlene Gömpel war mit ihrer Familie im April 1946 aus dem Kreis Preßnitz/Eger nach Knüllwald gekommen. In jenen Monaten kamen tausende Sudetendeutsche als Vertriebene in Zügen im heutigen Schwalm-Eder-Kreis an.

In der Auseinandersetzung über die Denkmalfrage habe er viel Zustimmung erfahren, man sei allgemein froh, dass das Kunstwerk zurückversetzt wird. Gömpel forderte das Immobilienmanagement jetzt auf, dass der Stein und die Bodenplatte fachmännisch gereinigt werden. Er gehe davon aus, dass die Umsetzung im ersten Halbjahr 2014 erfolgt und zum ersten Gedenktag in Hessen an „Flucht, Vertreibung und Deportation“ am 14. September eine feierliche Neueinweihung stattfinden kann.

Den Gedenktag für die Opfer der Vertreibung hatte die hessische Landesregierung erst im August beschlossen. Er wird ab 2014 je am zweiten Sonntag im September begangen. Archivfoto:  aqu

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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