Blinder sollte für Begleitperson Eintritt ins Freibad zahlen

Bürgermeister Denn spendiert Saisonkarten und erklärt: „Habe mich unklar ausgedrückt“

Zierenberg. Nach der Empörung darüber, dass ein erblindeter Mensch in Zierenberg Eintritt für seine Betreuungsperson im Schwimmbad zahlen soll, versucht Bürgermeister Stefan Denn die Wogen zu glätten.

Kernthema der Zierenberger Bürgerfragestunde im Anschluss an die jüngste Stadtverordnetensitzung war das Erlassen des Eintrittsgeldes ins Schwimmbad für eine Begleitperson eines blinden Menschen. „Das sehe die Entgeltordnung nicht vor“, war die Antwort des Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn (SPD). Diese Aussage erhitzt seitdem die Gemüter. Viele sprechen von einer „Blamage für Zierenberg“.

Bürgermeister Stefan Denn erklärte nun, er habe vor der Bürgerfragestunde längst intern angewiesen, dass Begleitpersonen aller behinderter Menschen kostenlos ins Schwimmbad dürfen. Seine Ausdrucksweise sei falsch gewesen. Die entstandenen Irritationen bedauere Denn ausdrücklich. „Da habe ich mich unklar ausgedrückt und somit die zum Teil heftigen Reaktionen ausgelöst“, schreibt Denn in einer Presseerklärung. Fakt sei, dass seit Jahren eine Anweisung an die Mitarbeiter im Freibad existiere, wonach gerade diese Personen von jedem Eintrittsgeld freigestellt würden. Dazu bedürfe es keiner schriftlichen Festlegung, eine solche Regelung sei einfach ein Gebot der Menschlichkeit und des Anstands, die es im Interesse des sozialen Friedens in einer Stadt zu wahren gelte.

Stefan Denn

„Ich kann garantieren, dass niemals in der Vergangenheit eine Begleitperson eines behinderten Menschen mit dem entsprechenden Merkzeichen in seinem Ausweis in unserem Freibad Eintritt zahlen musste. Und dabei bleibt es“, so Denn.

Der Bürgermeister spendiert nunmehr auf eigene Kosten fünf Saison-Freikarten für alle Menschen, die andere begleiten, um ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und am Sport zu ermöglichen. Die Karten werde die Schwimmmeisterin ab Mitte der Woche an die Betroffenen ausgeben.

Auch die Unabhängige Freie Wählergemeinschaft (UFW) kritisierte die Stellungnahme des Bürgermeisters während der Bürgerfragestunde. „So ein Statement geht nicht“, sagte die UFW-Fraktionschefin Dr. Bärbel Mlasowsky. Um sich den Wortlaut des Bürgermeisters während der Sitzung noch einmal anzuhören, wollte sie in die Aufzeichnung des Tonbandes der Sitzung reinhören. „Bei dieser Sitzung hat laut Schriftführer das Band nicht aufgezeichnet“, sagte Mlasowsky. Kommentieren wolle sie das nicht. Stefan Denn bestätigte gegenüber der HNA, dass es von dieser Sitzung keine Aufzeichnung gebe.

Die UFW-Fraktion hat jetzt einen Antrag gestellt, um die Satzung zugunsten von Begleitpersonen von schwerbehinderten Menschen zu ändern. Ferner soll bis dahin der freie Eintritt auf Kulanz gewährt werden.

Quelle: HNA

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