Protest in Wernswig – Bodenverband baut nun doch keinen Güllebehälter und sucht neuen Standort

„Der Dorffrieden ist jetzt dahin“

Riecht nicht: Wolfgang Koch vom Maschinenring mit einer Probe des Substrats.

Wernswig. Vielen Menschen in Wernswig haben die Pläne des Bodenverbandes Schwalm-Eder gestunken. Der wollte einen großen Güllebehälter auf dem Gelände des Verbandes am Ortsausgang in Richtung Lenderscheid errichtet.

Wollte. Aus den Plänen wird nun nichts, denn nach einer Informationsveranstaltung in Wernswig haben sich die Verantwortlichen am Freitagabend dagegen entschieden. „Wir werden den Güllebehälter nicht bauen, wenn so viele Menschen in Wernswig dagegen sind“, sagte der Geschäftsführer des Maschinenrings, Wolfgang Koch. Dafür gab es viel Applaus.

Große Sorge im Dorf

Vorausgegangen waren eine Führung über das Gelände der Biogasanlage in Homberg und eine knapp zweistündige Informationsveranstaltung mit einem Expertenteam des Bodenverbandes - bestehend aus Geschäftsführern, Vertretern aus der Landwirtschaft und der Stadtwerke in Kassel. Mit beidem wollte der Bodenverband die Angst der Menschen nehmen. Diese befürchteten Gülletourismus in ihrem Dorf, Geruchsbelästigungen, gesundheitliche Gefahren und auch einen Wertverlust ihrer Immobilien.

Wolfgang Koch vom Maschinenring argumentierte dagegen. Auch damit, dass die Nutzung eines Güllebehälters den Verkehr reduzieren würde, weil die Landwirte damit effektiver arbeiten könnten. Gegen die Sorge der Menschen aber kam dieses Argument aber nicht an.

Auch Hombergs Bürgermeister Martin Wagner versuchte zu vermitteln und setzte sich für den Standort in Wernswig ein. Doch die Informationen und fachkundigen Aussagen kamen zu spät. Zu fest hatten die Wernswiger bereits ihre Meinung gebildet. Da brachten auch alle Beteuerungen, dass es weder größere Geruchsbelästigungen noch gesundheitlichen Gefahren gebe, nichts. Dabei hatten die Teilnehmer des Rundgangs über das Gelände der Biogasanlage ihre Nase sogar in das Substrat stecken können, das in dem Güllebehälter gelagert werden sollte. Manche taten es und stellten fest, dass es gar nicht stark roch. „Aber wer weiß, wie sich das entwickelt, wenn die Sonne auf den Behälter knallt und darin große Mengen gelagert werden. Ich will im Sommer noch auf meinem Balkon sitzen können“, sagte eine Teilnehmerin und machte damit zugleich deutlich, wie festgefahren die Situation war.

Gülle oder Substrat?

Auch an der Begrifflichkeit regte sich Unmut: „Warum haben Sie einen Güllebehälter beantragt, wenn da nur Substrat rein soll?“, fragte ein Zuhörer. Die Erklärung, dass es bei der Beantragung keinen Unterschied zwischen Gülle- und Substratbehälter gebe, verhallte.

Die Folge: Der Bodenverband wird den Güllebehälter nicht am geplanten Standort errichten. Für den drei Millionen Liter fassenden Behälter soll nun ein neuer Standort gesucht werden. In Wernswig herrscht auch nach der Entscheidung dicke Luft: „Der Dorffrieden ist jetzt dahin. Sie hätten uns früher und besser informieren müssen“, so ein Zuhörer.  

Quelle: HNA

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