Reinhard Schaake (parteilos) hat für Bürokratismus nicht viel übrig

„Der Schnelle schlägt den Langsamen“

Kraftort: Auf dem Schützeberg tankt der amtierende Bürgermeister Reinhard Schaake auf - und genießt den schönen Blick auf Wolfhagen. Foto: Ricken

Wolfhagen. Mit dem alten Pulli über dem Anzughemd repariert Reinhard Schaake eben schnell das Holzbrett auf dem Balkon seiner Tochter. Damit sie sich keine Splitter in den Finger rammt. Eigentlich müsste er längst im Auto sitzen. Nicht nur im Wahlkampf ist die Zeit knapp. Aber auch jetzt will Reinhard Schaake, der für die nächsten sechs Jahre erneut für das Amt des Wolfhager Bürgermeisters kandidiert, keine langen Reden schwingen, sondern lieber handeln. Bürokratismus ist Reinhard Schaake ein Gräuel, und „Der Schnelle schlägt den Langsamen“ sein Wahlspruch. Nur so sei wirtschaftliche Entwicklung möglich, meint der Bürgermeister.

Passend dazu seine Wahlplakate, die für Gesprächsstoff sorgen. Macher, Neudenker und Zuhörer steht auf blauen Bannern. Kurz und prägnant habe er versucht, seine Stärken zu benennen. Für jede hat er ein Beispiel parat. Der Macher hat im Berliner Ministerium die Türen eingerannt und genervt, als sich die innovative Firma Energy Glas in der Kaserne ansiedeln wollte, obwohl die Bundeswehr noch gar nicht abgezogen war. „Energy Glas wäre heute in Eisenach, wenn wir damals lange diskutiert hätten.“ Ähnlich sei es mit Vitaqua gewesen. Dies habe viele Arbeitsplätze beschert. „Die schönste Nachricht meiner Amtszeit ist die, dass wir die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Hessen haben.“

Zuhören, mit den Bürgern im Gespräch zu bleiben, auch wenn man nicht alle Wünsche erfüllen könne, habe für ihn Priorität. Und dann ist da noch der Neudenker, der sich nicht nur Freunde gemacht hat. Wolfhagen als Hochburg für erneuerbare Energien, da gibt es laufende Projekte und noch viele Kapazitäten, die der 51-Jährige in den nächsten Jahren weiter ausschöpfen möchte. Einer der Gründe für seinen Wiederantritt sei es, Begonnenes fortzusetzen. Dazu gehört auch die umstrittene Windkraft auf dem Rödeser Berg. Punkte, in denen es auch Anfeindungen gegen den amtierenden Bürgermeister gibt. Wie wird er damit fertig? „Ich versuche auf einer sachlichen Ebene zu bleiben und auch durch die Brille der anderen zu schauen.“ Es gelinge ihm, keinen Groll zu entwickeln. Eine Hilfe sei ihm da sein Rückhalt in der Familie und die christliche Prägung.

Das gebe ihm die nötige Standfestigkeit und die Kraft, nicht den einfachen Weg zu gehen. „Ich stehe zum Energie-Gesamtkonzept“, sagt Schaake.

Zu jung zum Aufhören

Zum Aufhören fühlt sich der passionierte Fußballspieler zu jung. „Das hält Renate doch gar nicht aus, wenn ich schon jetzt zu Hause sitze“, zwinkert er seiner Frau zu. Doch Scherz beiseite, der Viesebecker will sich Herkulesaufgaben stellen. Zum Beispiel müsse ein Konzept gegen die Leerstände in der Stadt, Geschäfte wie Wohnungen, entwickelt werden. Angesichts der Konkurrenz aus dem Internet werde es für traditionelle Einzelhändler schwierig. Man müsse auch Ungewöhnliches gemeinsam mit den Geschäftsleuten diskutieren. Zum Beispiel eine Outletmeile, die auch Kaufinteressenten aus der Region anziehe. Eine andere Idee sei die City als grüne Wohnstadt zu gestalten. Strategien gegen den demografischen Wandel und die Fortsetzung der Konversion in der Kaserne sieht Schaake als weitere Aufgaben der kommenden Jahre.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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