Mehr als 200 Kirchen inventarisiert

Detektiv für Kirchenbauwerke in Nordhessen: Armin Wiegand veröffentlicht Buch

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Aufwendige Recherche: Armin Wiegand mit seinem Buch. 

Steina. Die hessische Denkmalpflege bringt ein Buch von Armin Wiegand heraus: „Mehr als schlicht“ ist ein Werk, das in keiner Kirchengemeinde und Kirchenverwaltung fehlen sollte.

Der Architekt und promovierte Bauhistoriker aus Steina inventarisiert darin mehr als 200 klassizistische Kirchengebäude in Nordhessen. Seit 2005 forschte er über diese Gebäude im ehemaligen Kurhessen und Fürstentum Waldeck.

Für die immense Recherchearbeit reiste Wiegand über Jahre durch Nordhessen, forschte in Kirchenbüchern und Archiven. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von Wrexen an der Diemel bis Lohrhaupten am Rohrbach und von Eimelrod bei Willingen bis Herleshausen und umfasst auch einige Orte im thüringischen Schmalkalden.

Vor ihm liegt ein mehr als 300-seitiges Buch, ungefähr in DIN-A-4-Größe mit aufwendig gestaltetem Layout mit vielen Fotos und Plänen. Wiegand gibt an, dass als Vorlage für das Buch rund 10.000 Fotos entstanden sind. Der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, bescheinigt dem Werk, nicht nur eine profunde Auseinandersetzung mit der archivalischen Überlieferung, „sondern auch einen tiefen Einblick in die Sitten- und Mentalitätsstruktur der Gemeinden“ zu liefern.

Einmalige Forschung über klassizistische Kirchenbauwerke: Die Denkmalpflege gibt das Buch des Steinaer Architekten Dr. Armin Wiegand heraus. Das Foto zeigt die Kirche in Wasenberg.

Das Buch gliedert sich in drei Teile, erläutert der Autor. In einem ersten, allgemeinen Teil greift er die verschiedenen Aspekte des klassizistischen Kirchenbaus und Rundbogenstils auf. Beschrieben wird der schlichte klassizistische Stil, in dem die Kirche zur Predigtkirche wird und in dem die Kanzel einen zentralen Platz einnimmt. 

„In der Architektur ist Klassizismus ein Synonym für helle Räume, für Symmetrie und einfache Grundformen, geschmückt mit Stilelementen aus der klassischen Antike“, schreibt der Autor. Dazu gehört auch der Rundbogenstil. Wiegand begeistert sich an der Schlichtheit, wenn er beschreibt, was zum Beispiel die Kirche in Loshausen, ein typischer klassizistischer Saalbau, alles nicht hat.

Nachforschungen im Staatsarchiv in Kassel

Der mittlere Teil des Buches ist ein umfangreicher Katalog. Darin erfasst der Autor alle Orte nach ihrer geografischen, politischen und kirchlichen Zugehörigkeit. Dazu forschte er im Staatsarchiv in Kassel und im Archiv der Landeskirche in Marburg. „Das kann ein Einstieg für jede Kirchengemeinde sein, die sich mit ihrer Kirche als Bauwerk auseinandersetzen will“, meint Wiegand. 

Der Abschluss bildet eine Übersicht, in der Wiegand zu jeder Kirche den aktuellen Forschungsstand und Unterschiede zu bisherigen Erkenntnissen herausarbeitet. Da kommt die detektivische Leistung Wiegands zutage. Hinterfragt hat er insbesondere Angaben im sogenannten Dehio, dem Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Manchmal war es ein winziges Baudetail, das er entdeckte und ihn zu anderen Ergebnissen kommen ließ, als die bisher dokumentierten.

• Mehr als schlicht - Klassizismus und Rundbogenstil am Beispiel der Kirchen in Kurhessen und Waldeck, erschienen im Konrad Theiss-Verlag, 29,80 Euro

Quelle: HNA

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