Interview mit einer Teilnehmerin

Deutscher Landjugendtag in Fritzlar: „Wir wollen nicht nur feiern“

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Freut sich auf den Deutschen Landjugendtag in Fritzlar: Theresa Schmidt aus Schönborn. 

Fritzlar/Frielendorf. Land. Leben. Lieben. Unter diesem Motto steht der Deutsche Landjugendtag in Fritzlar.

Von Freitag, 15., bis Sonntag, 17. Juni, wollen mehr als 1000 junge Menschen aus ganz Deutschland feiern und diskutieren. Mit dabei ist Theresa Schmidt aus Frielendorf-Schönborn. Wir sprachen mit ihr über langsames Internet, den typischen Landjugendlichen und ihren schönsten Landjugend-Moment.

Frau Schmidt, die medizinische Versorgung ist mies, das Internet langsam und es gibt wenig große Veranstaltungen: Warum lieben Sie dennoch das Leben auf dem Land?

Theresa Schmidt: „Ich bin hier großgeworden. Wir leben hier in Ruhe. Ich finde es schön, der Natur so nah zu sein. Das ist, was ich am Landleben schätze. Wenn ich in der Stadt wohnen würde, umgeben von grauen Mauern, würde ich mich nicht wiederfinden. Die Vorteile auf dem Land machen wieder wett, dass das Internet ein bisschen langsamer ist und die Straßen nicht überall top ausgebaut sind.

Die Landjugend will Perspektiven für junge Menschen im ländlichen Raum schaffen. Wie sollen diese aussehen?

Schmidt: Wir wollen nicht, dass man einen Nachteil hat, nur weil man auf dem Land lebt. Wir unterstützen die Landjugendlichen, wo wir können. Sei es politisch oder beruflich. Wir bieten Vorträge und Schulungen – etwa zu Computerprogrammen und den Knigge-Regeln an. Wir knüpfen Kontakte über den ländlichen Raum hinaus.

Beim Thema Landjugend denken viele an den biertrinkenden Landwirt, der den Volkstanz pflegt. Ist das der typische Landjugendliche?

Schmidt: Das verneine ich auf jeden Fall. Aber es stimmt: Das ist das Bild, das viele Nichtmitglieder haben.

Woher kommt das?

Schmidt: Es ist teilweise wegen des Bauer-sucht-Frau-Images. Viele Städter denken: Die Jugend vom Land ist hier und dort unterwegs, die hebt das Bierglas auf dem Dorffest und die ist trinksicher. Wir wollen diesem Bild entgegenwirken.

Wie sieht denn die Wirklichkeit aus?

Schmidt: Natürlich können wir feiern, aber es geht bei der Landjugend um weit mehr. Ich würde einen Landjugendlichen so charakterisieren: Der kann mit anpacken, der hat auf jeden Fall was im Kopf, der kann sich genau so benehmen wie jemand aus der Stadt. Der liebt einfach das Leben auf dem Land. Der möchte die Naturschätze schützen und erhalten. Es ist ein Mensch, der offen auf andere zugeht.

In den 1970er Jahren stammten 80 Prozent der Mitglieder aus dem landwirtschaftlichen Betrieb. Wer wird heute Mitglied?

Schmidt:Ich schätze, dass 70 Prozent der Landjugendlichen Landwirte sind oder zumindest einen Agrarhintergrund haben. Viele Jugendliche denken, sie können nicht bei uns mitmachen, weil sie nicht vom Hof kommen. Das stimmt aber nicht. Die Landjugend ist offen für alle.

Warum sollte man sich in der Landjugend engagieren?

Schmidt: Ich habe durch die Landjugend so viele tolle Menschen kennengelernt, bin über mich selbst hinausgewachsen. Das sind Erfahrungen, die kann einem keiner nehmen.

Was war Ihr schönstes Landjugend-Erlebnis?

Schmidt: Als meine Zwillingsschwester und ich mit 15 Jahren zum ersten Mal auf der Grünen Woche in Berlin waren und ein Theaterstück aufgeführt haben. Wir waren „Hanni und Nanni“ und haben in Hessen und ganz Deutschland Kontakte geknüpft. Mit diesen Leuten stehe ich noch immer in Verbindung.

Ist der Deutsche Landjugendtag in Fritzlar das perfekte Heimspiel?

Schmidt: Auf jeden Fall. Es ist der Landjugendtag von allen, die das Landleben lieben. Man merkt, wie groß der Zusammenhalt ist. Alle sagen, wir rocken das zusammen. Wir wollen nicht nur feiern, wir wollen auch anpacken. Wir wollen Hessen sehr gut präsentieren und zeigen, dass wir stolz auf uns sein können.

Quelle: HNA

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