Kongress von Freitag bis Sonntag

Joachim Löw in Kassel: Bundestrainer kritisiert Gehabe mancher Profis

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Der Bundestrainer ist am Sonntagmittag im Kasseler Hotel La Strada eingetroffen.

Bundestrainer Joachim Löw hat am Sonntag während des Amateurfußball-Kongresses in Kassel klare Worte an die Profis der Bundesliga gerichtet.

Aktualisiert am 25. Februar um 9.28 Uhr. Während einer Talkrunde im Hotel „La Strada“ kritisierte Löw in bisher nicht gekannter Schärfe das Benehmen mancher Spieler. Ein Dorn im Auge sind ihm zum Beispiel die vielen Täuschungsversuche und Rudelbildungen in den Bundesliga-Arenen.

Löw forderte mehr Fairness und Respekt vor dem Gegner – und verwies in dem Zusammenhang auf den Handball. Während der jüngsten Weltmeisterschaft kamen die Spieler da ganz ohne große Theatralik aus. So wünscht es sich Löw auch im Profi-Fußball. Er appellierte damit auch an die Vorbildfunktion der Bundesligaspieler. Dafür bekam er viel Applaus.

Die Talkrunde mit ihm und Martina Voss-Tecklenburg, der neuen Trainerin des Frauen-Nationalteams, bildete den Abschluss des Kongresses, an dem seit Freitag rund 300 Vertreter aus Vereinen und den Landesverbänden teilnahmen. Sie diskutierten über die Probleme des Amateurfußballs.

Eine große Herausforderung nannte Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Er sagte: „Der Kampf um die Flächen in unseren Städten wird immer härter. Wir haben zu wenige Fußballplätze und vor allem Kunstrasenplätze.“ Eine Aussage, die nur bedingt auf Nordhessen zutrifft. Stefan Reuß, Landrat des Werra-Meißner-Kreises und zugleich Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, sagte bezogen auf die Region: „Hier geht es in erster Linie um die Qualität der Plätze und den Mangel an Kunstrasenplätze.“ Diese Kunstrasenplätze aber braucht es gerade, um den Spielbetrieb auch in der kalten Jahreszeit aufrechtzuerhalten.

Der Amateurfußball-Kongress fand zum dritten Mal statt, zum zweiten Mal in Kassel. Gegenüber unserer Zeitung nannte Grindel den Standort aufgrund der zentralen Lage und verkehrlichen Anbindung als ideal. Dass Joachim Löw ein paar Minuten zu spät kam, hatte einzig mit der Bahn zu tun.

Löw und seine Beziehung zu Nordhessen 

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw zieht es derzeit nicht oft nach Nordhessen. Das klang auch während des Amateurfußball-Kongresses an. Die örtlichen Klubs stehen derzeit halt nicht in Verdacht, Nationalspieler in ihren Reihen zu haben. Löw verbindet trotzdem etwas mit der Region: So erzielte er seinen ersten Zweitliga-Treffer für den SC Freiburg Ende der 70er-Jahre gegen den KSV Baunatal. Auch im Auestadion war er mit dem SC Freiburg aktiv. 1981 verlor er hier mit 0:1 gegen den KSV Hessen Kassel.

Die Diskussion können Sie hier noch einmal im Video sehen:

Eigentlich sollen am Wochenende vom 22. bis zum 24. Februar nicht der Bundestrainer und die Bundestrainerin im Mittelpunkt stehen, sondern die Basis des Fußballs. Zum dritten Mal veranstaltet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen Amateurkongress. Insgesamt 15 Handlungsempfehlungen sollen über die drei Tage entstehen – drei davon werden am Ende von den Teilnehmern ausgewählt, die überarbeitet in einen Masterplan Amateurfußball aufgenommen werden. Ziel: Die Basis des Fußballs soll stabilisiert und gestärkt werden.

Darüber hinaus gibt es fünf Kernthemen: der Amateurfußball 2024 – also wie können die Effekte der EM 2024 genutzt werden –, externe Rahmenbedingungen für die Vereine, Verbandsentwicklung, Qualifizierungsangebote und Digitalisierung.

Bundestrainer Joachim Löw zu Gast in Kassel

Der Auftakttag des DFB-Amateurkongresses

Zum Auftakt des Kongresses am Freitag sprach DFB-Präsident Reinhard Grindel. 16 Minuten hatte Reinhard Grindel am Ende überzogen. Zumindest laut Programmübersicht. Der DFB-Präsident holte beim Fußball-Amateurkongress im Kasseler Hotel La Strada zur großen Grundsatzrede aus. Der 57 Jahre alte Hamburger war die Hauptattraktion zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung.

Ob Grindel auch mehr Zeit als erster Mann beim Deutschen Fußball-Bund bekommt, wird sich im September zeigen. Dann stehen die Präsidentschaftswahlen an. Der Amtsinhaber hat bereits angekündigt, dass er sich wieder zur Wahl stellen wird. Jetzt ist in Grindel aber erst einmal in Kassel. Dort, wo vor sieben Jahren auch der bislang letzte Amateurkongress stattgefunden hatte.

Der Präsident sagte gleich zu Beginn, dass der Stellenwert des Amateurfußballs beim DFB derzeit so hoch sei wie noch nie. Und er lieferte eine amüsante Begründung: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, habe schließlich gesagt, dass beim DFB nur Amateure am Werk seien. Damit brachte er die rund 300 Teilnehmer zum Lachen. Dann wurde Grindel aber ernst.

Sprach beim Amateurkongress in Kassel: DFB-Präsident Reinhard Grindel. 

Sein Vortrag glich einer Rundreise durch die Problemfelder der „Basis“, wie er es selbst nannte. Man wolle wieder Spielerpersönlichkeiten haben, Talente müssten sich dafür eigenständiger entwickeln. Das Ehrenamt sei unersetzlich, sagte der Präsident. Der Fußball sei aber auch eine der günstigsten Sportarten. Man könne nicht erwarten, dass ein Vereinstrainer Aufgaben der Eltern übernehme. Andererseits hätte sich schon gezeigt, dass mehr Leistung und höhere Mitgliedsbeiträge nicht zwangsläufig zu Austritten führen würden.

Die Montagsspiele in der Bundesliga hätten nicht nur einen kommerziellen Hintergrund, erklärte Grindel. Dadurch wolle man auch den Sonntag als Spieltag der Amateure stärken. Schiedsrichter zu finden, sei keine Verbandsaufgabe, sondern eine der Vereine – die hätten schließlich allein das Wissen, wer dafür in Frage kommt.

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Ein großes Thema waren auch die fehlenden Fußballplätze. Die zehn Standorte der Heim-EM 2024 nahm Grindel in die Pflicht. Sie sollten die Einnahmen durch die EM auch in Sportplätze reinvestieren. Insgesamt sei es ein Problem, dass durch fehlende Plätze Talente verloren gingen, weil Spieler deswegen weggeschickt würden.

Dann setzte sich Grindel wieder an seinen Tisch in der zweiten Reihe. An einen, an dem durchweg der Anzug als Kleidungsstück diente. Nicht selbstverständlich, denn am Kongress nimmt ein gemischtes Publikum teil – über DFB-Funktionäre, Vertreter der Landesverbände bis hin zu Vereinsmitgliedern. Hemd und Krawatte sowie Kapuzenpulli – alles dabei.

Und während Ex-Spieler Tobias Rau gerade in der Maske saß und für seine Diskussionsrunde, die am Nachmittag folgte, zurechtgemacht wurde, lief unten im Saal ein Einspieler, in dem ARD-Kommentator Tom Bartels den Amateurfußball in Zahlen genauer vorstellte. Der Tom Bartels, der 2014 das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien kommentierte. Irgendwie schweifte auch Grindel in seiner Rede immer mal wieder zum großen Fußball ab. Aber er betonte dann schnell: Eigentlich soll es an diesem Wochenende ja um die Amateure gehen.

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