Gießener Künstler Günther Hermann stellt seine Werke im Reutern-Haus aus

Im Dialog mit der Natur

Farbradierungen und Malerei: Noch bis zum zum 27. November sind die Bilder von Günther Hermann in der Kunsthalle zu sehen. Am Samstag wurde die Ausstellung eröffnet. Foto: Rose

Willingshausen. Gärten und Landschaften stehen im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in der Kunsthalle Willingshausen: Organisiert hat die Bilderschau – Farbradierungen und Malerei – die Vereinigung Malerstübchen. Zu sehen sind Werke des Gießener Künstlers Günther Hermann. Am Samstag wurde die Ausstellung bei vollem Haus eröffnet. Die Einführung hielt Dr. Friedhelm Häring, Direktor des Oberhessischen Landesmuseums Gießen.

Hermann orientiere sich in seiner Technik an der Schule von Barbizon, an der der großen Impressionisten: Er male, indem er die Farben zergliedere. Dabei bediene er sich auf der Palette der drei Grundfarben. „Und zwar davon ausgehend, dass das Licht der Sonne den Gegenstand in seinen farblichen Bau zergliedert“, erläuterte Häring. Es sei deshalb eine „unglaubliche Gedankenleistung“, dass Hermann für seine Radierungen diese Wirklichkeit nochmals zerlege. Das sei aber nötig, weil die Radierung ja ein mehrschichtiges Druckverfahren sei und Hermann mithilfe verschiedener Druckplatten erst wieder eine Bild entstehen ließe.

Die Frage, inwieweit Hermanns Bilder der Wirklichkeit entsprächen, beantwortete der Laudator ohne Zweifel: „Der Maler will nicht die Wirklichkeit, der Maler will Metamorphose.“ Früher sei die Landschaftsmalerei immer für irgendetwas gut gewesen, heute würde die Landschaft als Landschaft begriffen. „Hermann entdeckt etwas Neues, nämlich die Schöpfung“, erklärte Häring. Dabei müsse sich jede Gast selbst die Frage stellen, ob es den einen Schöpfer gebe. Aber: „Jeder Künstler ist Schöpfer.“ Hermann besinne sich darauf, was den Menschen geschenkt worden sei. Ob die Lavendelfelder der Provence, die Olivenhaine bei Palermo oder die Kreidefelsen auf Rügen - „sein Sehen ist das Annehmen dieser Schöpfung“. Des Künstlers „Grünsüchtigkeit“ begründete Häring damit, dass man Hermann wohl schon als Baby permanent unter grünen Blättern entlang gefahren habe müsste.

Der Künstler zeige uns seinen Dialog mit der Natur - mit zwei Systemen. Dem Geordneten, wie es sich in Parkanlagen wieder finde. Und dem Wildwuchs, der sich unter anderem in alten Bäumen zeige. Hermann verstehe sich als Biograph der Natur, wolle verdeutlichen, was uns geschenkt worden sei. „Aber er will auch wachrütteln und uns daran erinnern, mit Ressourcen vernünftig umzugehen“, sagte Häring. Dabei zeichneten sich seine Werke durch ein hohes Niveau aus.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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