Nach der Natur: Stipendiatin Friederike Lorenz zeigt kritische Zeichnungen

Dialog mit der Schwalm

Wortspiele und Skizzen: Die Kasseler Künstlerin Friederike Lorenz hat drei Monate lang in Willingshausen gelebt und gearbeitet. Foto: Rose

Willingshausen. Nach der Natur – so heißt die aktuelle Ausstellung der 32. Künstler- stipendiatin Friederike Lorenz, die am Donnerstagabend in der Willingshäuser Kunsthalle eröffnet wurde: Etwa 60 Gäste waren gekommen, um sich anzuschauen, wie sich die Kasselerin in den vergangenen Wochen die Welt der Schwalm erschlossen hat. Entstanden sind während ihres Aufenthaltes mehr als 250 Zeichnungen. „Die Hauptaufgabe von Künstlern ist es, das Schöne hässlich zu machen und das Hässliche schön zu finden“, erklärte Kurator Bernhard Balkenhol in seiner Laudatio und spielte damit auf ein großes Desaster in der Mitte des Raumes an: Dort hatte Friederike Lorenz jene Papierschnipsel zu einer Landschaft zusammen gesetzt, auf denen letztlich nichts Brauchbares für ihre Ausstellung entstanden war. Die „hässlichen“ Schnipsel hat sie wieder zu einem Ganzen zusammen gefügt und alles mit rosafarbenem Zuckerguss übergossen.

Um mehr über Willingshausen zu erfahren, habe Lorenz in einigen Betrieben des Ortes arbeiten wollen: „Künstler haben ja nie Geld“, ironisierte Balkenhol. Nachdem sie gesehen habe – „und das war gar nicht so einfach auszuhalten“ – wie ein Schwein geschlachtet wurde, sei es jedoch nicht mehr nötig gewesen, überall zu arbeiten. „Die Leute erzählten von selbst, was hier schön ist.“

Danach sei Lorenz quasi übervoll gewesen: All das habe sie nicht nur in Zeichnungen verarbeitet, sondern auch in Notizen, Aufzeichnungen und Bemerkungen. Mit Zeichenstift und Wörtern habe sie auf Papier gebracht, was sie verstanden habe. Doch dabei objektiv zu sein, das wäre Friederike Lorenz zu einfach gewesen. Sie habe in den Zeichnungen viel Privates und Persönliches preisgegeben. „In dem Moment, wo sie das öffentlich macht, muss sie aber auch die Verantwortung übernehmen“, erläuterte Balkenhol. Lorenz stelle sich den Menschen: „Wer sie fragt, dem wird sie auch antworten müssen.

Der Kurator empfahl den Besuchern, genau wie die Künstlerin es getan habe, den Dialog, die Doppelbödigkeit zuzulassen: „Wenn die Zeichnung anfängt, zu erzählen, ist das manchmal schwer auszuhalten.“ Denn es stelle sich die Frage der Verantwortung und ob manches noch verantwortbar sei. Bernhard Balkenhol gab den Gästen deshalb mit auf den Weg: „Ich wünsche Ihnen gutes Aushalten in der Ausstellung und mit sich selbst.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare