Etliche Schlecker-Filialen im Kreis haben bereits geschlossen – Beschäftigte unsicher

„Die räumen alles weg“

Bekanntes Logo, leere Regale: Die Schlecker-Filiale in Zimmersrode sollte Ende Februar schließen, hat jedoch seit Wochenbeginn bereits dicht gemacht. Foto: Hebeler

Schwalm-Eder. Das Ende erinnert an ein Kartenhaus, das in sich zusammenfällt: Die Drogeriemärkte der insolventen Schlecker-Gruppe, die in den vergangenen Jahrzehnten überall im Landkreis eröffnet wurden, stehen vor dem Aus. Manche haben bereits zu – das Ende kam schneller, als von den meisten Beschäftigten erwartet. Viele Kunden standen in den vergangenen Tagen vor geschlossenen Türen und leeren Regalen.

Seit Anfang der Woche gibt es zum Beispiel nichts mehr zu kaufen beim Schleckermarkt in Neuental-Zimmersrode. Andrea Rüppel, die zwölf Jahre als Teilzeitkraft dort beschäftigt war, ist verunsichert. „Ich habe mich für eine Freistellung entschieden, als uns am 30. Dezember gesagt wurde, dass wir Ende Februar zumachen“, sagte sie gestern.

Viele Schließungen

Das heißt, dass sie bislang davon ausgegangen war, ihr Gehalt bis Juni zu erhalten. Was jetzt nach der Insolvenz wird, weiß sie nicht. Dass bereits Mitte Januar Schluss war, habe man ihnen ganz kurzfristig mitgeteilt. Ihre beiden Arbeitskolleginnen wollten als Springer weiter arbeiten, auch ihre Zukunft sei nun ungewiss.

Andrea Rüppel weiß von etlichen weiteren Schließungen in jüngster Vergangenheit. Zum Beispiel gibt es keine Schleckermärkte mehr in Wabern, Treysa und Borken, nächste Woche soll Jesberg dicht machen.

Insgesamt verzeichnet die Homepage der Kette noch 21 existierende Märkte von Schlecker und der Tochter „Ihr Platz“ im Landkreis.

In Fritzlar gab es bis vor zwei Jahren noch einen kleineren Markt direkt am Marktplatz. Dieser wurde geschlossen, und Schlecker zog um: Im ehemaligen Getränkemarkt am Erfurter Ring versuchte der Drogeriekonzern es mit einem seiner XL-Märkte. Die Mitarbeiterinnen im neuen Geschäft erhielten, so wurde in der Stadt gemunkelt, wesentlich weniger Gehalt als die im alten Schlecker. Der XL-Markt hielt nur einige Monate durch, dann kam das Aus.

„Das war die falsche Strategie.“

Schlecker-Beschäftigte

Eine Schlecker-Beschäftigte aus dem Kreisteil Melsungen meint, die Ursache für die Insolvenz zu kennen. Überall seien neue Märkte eröffnet worden, auch in kleinen Orten. „Das war die falsche Strategie“, sagt sie. Jetzt würden offenbar erst einmal die Filialen geschlossen, die wirtschaftlich schlecht dastehen. Meike und Lars Schlecker, die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, hatten das Unternehmen 2011 übernommen. „Sie räumen alles weg, was nicht rationell ist“, sagt die Mitarbeiterin aus dem Kreisteil Melsungen.

Die Regale könnten derzeit nicht wie gewohnt aufgefüllt werden. Das liege offenbar daran, dass Schlecker sein Lager im thüringischen Herda geschlossen hat.

110 Mitarbeiter waren dort im Dezember arbeitslos geworden. Die Waren würden jetzt von anderen Lagern angeliefert.

Aus unseren Redaktionen

Quelle: HNA

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