Probleme, aber keine Weltuntergangsstimmung

Neujahrsempfang in Jesberg: „Die VW-Enkel ziehen weg“

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Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker und DRK-Geschäftsführer Manfred Lau überreichen einen Defibrillator fürs Seniorenzentrum an Bürgermeister Schlemmer

Jesberg. Traditionell werden in der Kellerwaldgemeinde Jesberg alle zwei Jahre ehrenamtlich tätige Frauen und Männer sowie Mitarbeiter der Verwaltung zu einem Neujahrsempfang eingeladen.

Dass in der Gemeinde ein eher umgänglicher, sogar freundschaftlicher Ton zwischen Verwaltung und Bürgern herrscht, verdeutlichte die Rede des Bürgermeisters, denn Günter Schlemmer sprach öfter von „wir, uns, euch“ an Stelle vom förmlichen „Sie oder Ihnen.“

Er betonte, dass die Vereine nicht nur das Haus seien, in dem sich das gesellschaftliche Leben abspiele, sondern dass sich Jesberg mit seinen kleinen Dörfern von den Großstädten und Ballungsgebieten durch ein intaktes Vereinswesen unterscheide und dies ein Geschenk und eine besondere Stärke des ländlichen Raumes darstelle. Schlemmer bedauerte, dass die Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde eine negative Tendenz habe und bei einer Analyse der Einwohnerverluste festgestellt wurde, dass insbesondere jüngere Menschen abwandern.

Die Gründe dafür seien in der Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation zu finden.

Beispiel VW-Arbeiter

Nach der Ansprache des Bürgermeisters ging es ans Büffet.

„Wir haben in dem gesamten Raum leider nicht das Angebot, was heute zum Teil gesucht wird“, konstatierte der Bürgermeister. Er stellte in Verbindung mit VW Baunatal, dem größten Arbeitgeber der Region, ein Generationengleichnis auf: Die VW-Großväter fuhren mit dem Fahrrad und später mit dem Bus zur Arbeit, die VW-Väter gründeten Fahrgemeinschaften, um kostengünstig den Arbeitsplatz zu erreichen. Die VW-Enkel jedoch fahren gar nicht, denn sie ziehen aus dem Ort weg und suchen sich im Nahbereich der VW-Stadt eine Wohnung. Deshalb habe man gemeinsam mit Nachbargemeinden im Zweckverband Schwalm-Eder-West stabile Rahmenbedingungen geschaffen, um regionale Arbeitsplätze zu sichern und neu anzubieten.

Gleichzeitig bat er um Verständnis dafür, dass er manchmal sehr aufgebracht reagiere, wenn Stimmen zu hören seien, in denen der „Weltuntergang Jesbergs“ herbeigeredet werde. „Wir haben in unserer kleinen Gemeinde im Vergleich zu größeren, ja weitaus größeren Kommunen, eine hervorragende Infrastruktur“, betonte er.

Katinka Heinke unterhielt mit ihrem Spiel auf dem Klavier.

Schlemmer berichtete außerdem über den vom Deutschen Wetterdienst geplanten Bau eines Radarturmes am Wüstegarten, womit die Sanierung des dort stehenden Holzturmes einhergehe, nämlich durch Abriss. Gleichzeitig werde durch das Angebot des Wetterdienstes, eine Aussichtsplattform an dem rund 60 Meter hohen Turm anzubauen, ein neues touristisches Highlight für die Region Naturpark Kellerwald-Edersee entstehen.

Zum Abschluss des Empfangs wurden alle Besucher, jeder hatte drei Freibons für Getränke erhalten, auch zum Büfett mit deftiger Kartoffelsuppe und Würstchen eingeladen, was laut Schlemmer der wesentlich verbesserten Haushaltslage zu verdanken sei.

Zuvor hatte der Kreisgeschäftsführer des DRK, Manfred Lau, einen Defibrillator als Geschenk überreicht. Das Gerät, mit dem lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen behandelt werden können, soll im Jesberger DRK-Seniorenzentrum seinen Platz finden.

Von Rainer Zirzow

Quelle: HNA

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