Pflanzen werden als Droge genutzt

Als Droge genutzt: Diebe klauen Hortensien aus Gärten in Treysa

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Nur noch kahle Stängel: Klemens Sack (von links), Irene Weppler und Bettina Will hinter einer Hortensie, an der Diebe sich bedient haben. Die Pflanze rechts steht – noch, befürchtet Will.

Treysa. Bettina Will und ihre Nachbarn entdecken immer wieder, dass Diebe sich an ihren Hortensien zu schaffen gemacht haben. 

„Das ist der klägliche Rest“, sagt Bettina Will und blickt auf das, was von ihrer einst prächtigen Hortensie übrig geblieben ist. In letzter Zeit haben sich immer wieder Diebe an den Pflanzen von ihr und ihrer Mutter Irene Weppler zu schaffen gemacht, auch Nachbar Klemens Sack ist betroffen – genau wie mindestens sechs weitere Gartenbesitzer in dem Treysaer Wohnviertel. „Ganz unten werden die Triebe einfach abgeknipst“, sagt Will.

Was wollen die Diebe mit Hortensientrieben? Vermutlich haben sie kein Interesse an den schönen Blüten, sondern nutzen sie als Droge. In Internetforen wird eifrig darüber diskutiert, dass Hortensien wie Haschisch wirke und wie die beste Wirkung durch Essen, Teezubereitungen und Rauchen erzielt werden kann. Laut Fachzeitschriften konnte in der Pflanze bisher aber noch kein psychoaktiver Wirkstoff nachgewiesen werden.

„Die Wirkung wird wohl einerseits mit einem Placebo-Effekt und andererseits mit auftretenden Vergiftungserscheinungen erklärt“, sagt Heike Eckert, Leiterin der Beratungsstelle Jugend, Drogen und Sucht der Hephata Diakonie in Schwalmstadt. Denn Hortensien enthalten Blausäure, der Konsum kann sehr gefährlich sein. Nebenwirkungen sind unter anderem Herzrasen, Rhythmusstörungen und Atemnot. Besonders gefährlich sei es, wenn der Konsument im Krankenhaus nicht mehr angeben kann, was er zu sich genommen hat, sagt Eckert. Sie habe bisher vor allem Fälle mit anderen Pflanzen wie Engelstrompete und Pilzen erlebt, zum Hortensiendiebstahl in Schwalmstadt ist ihr nichts bekannt.

Bettina Will muss sich dafür umso mehr mit diesem Thema auseinander setzen. „Es hat Jahre gedauert, bis die Hortensien so schön gewachsen sind und Blüten getragen haben.“ Auf die Farbenpracht wird sie die nächsten Jahre verzichten müssen. „Dabei haben wir sie gepflanzt, damit der Garten farbig aussieht. Jetzt sind es nur noch grüne Büsche.“ Klemens Sack ist schon vor zwei Jahren aufgefallen, dass Stängel seiner drei Hortensienstöcke fehlen. Seitdem hat er, wenn überhaupt noch, nur wenige Blüten. Im Sommer sei die Zerstörung nicht so stark zu sehen, aber jetzt, wo die Pflanzen ihre Blätter verlieren, wird das Ausmaß deutlich.

Ungefähr seit September stehen die Diebe immer wieder in ihrem Blumenbeet, berichtet Will, das sehe sie an den frischen Schnitten. Erwischt hat sie aber noch nie einen, sie vermutet, dass die Diebe nachts durch die Gärten ziehen. Sie würden nie alle Triebe auf einmal mitnehmen – deshalb befürchtet Will, dass sie bald auch die einzige noch stehende Hortensie verlieren wird.

Das sagt die Polizei:

Der Polizei wurden die Treysaer Hortensiendiebstähle nicht gemeldet, sagt Sprecher Philipp Eifert, in der vergangenen Zeit auch keine im restlichen Kreisgebiet. Es seien keine kriminellen Strukturen zum Diebstahl oder Handel der Pflanzen bekannt. Hortensien fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, weshalb Besitz und Handel nicht strafbar seien. Relevante Straftaten seien Sachbeschädigung, Diebstahl und Hausfriedensbruch. Besorgte Gärtner dürften Kameras auf ihrem eigenen Grundstück anbringen, solange der öffentliche Raum und Nachbargrundstücke nicht gefilmt werden.

Quelle: HNA

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