Diebe stören Totenruhe

Unbekannte stehlen Grabschmuck auf Melsunger Friedhof

An dieser Stelle lag vor wenigen Tagen noch ein Blumengesteck: Petra Wiegand entdeckte den Diebstahl am Grab der Großeltern ihres Mannes. Foto: Féaux de Lacroix

Melsungen. Der Friede auf dem Melsunger Friedhof wird immer wieder gestört - von Grabdieben. Gerade vor Feiertagen wie dem Totensonntag am 24. November, wenn Angehörige die Gräber besonders aufwändig schmücken, schlagen die Diebe zu, berichtet Karola Schwarz von der städtischen Friedhofsverwaltung. „Das ist seit Jahren gängige Praxis bei uns.“

Die Diebe lassen Grabgestecke, Schalen mit Bepflanzung, kleine Bäume und Grabfiguren mitgehen. Schwarz schätzt, dass jedes Jahr bis zu 20 Fälle der Friedhofsverwaltung gemeldet werden. Doch die Dunkelziffer sei vermutlich doppelt so hoch.

Auch Petra Wiegand wird immer wieder Opfer von Grabdieben. Gerade erst haben Unbekannte auf dem Neuen Friedhof in Melsungen wieder ein Blumengesteck vom Grab der Großeltern ihres Mannes gestohlen. Die 50-Jährige entdeckte den Diebstahl am Dienstag, sie hatte das Gesteck erst vor zwei Wochen dorthin gelegt.

„Es ist eine Frechheit, sich an den Toten zu vergreifen.“

„Es ist eine Frechheit, sich so an den Toten zu vergreifen“, sagt Wiegand. Aufs Geld - 25 Euro hatte das Gesteck gekostet - komme es ihr nicht an. Sie störe vielmehr die mangelnde Wertschätzung, die die Diebe zum Ausdruck bringen, wenn sie Grabschmuck stehlen.

Das gestohlene Gesteck will Wiegand nun nicht ersetzen: „Das wird doch sofort wieder geklaut.“

Wer hinter den Diebstählen steckt, sei unklar, sagt Karola Schwarz von der Friedhofsverwaltung. Denn auf frischer Tat ertappt wurden die Diebe noch nie, obwohl Schwarz immer mal wieder eine Kontrollrunde auf dem Friedhof dreht. Wahrscheinlich, so vermutet Schwarz, seien die Diebe meist nachts unterwegs. „Möglicherweise sind es Privatleute, die den gestohlenen Grabschmuck dann einfach auf das Grab ihrer Angehörigen legen.“ Damit wollten sie wohl einfach das Geld für den Grabschmuck sparen. Besonders von Diebstählen betroffen seien Gräber, die nahe am Friedhofseingang lägen und damit gut zu erreichen seien.

Eine Bewachung des Friedhofs, um Diebstähle zu vermeiden, kommt aus Sicht von Karola Schwarz nicht in Frage. „Ein Friedhof soll ja kein Sicherheitstrakt sein, sondern ein offener Ort, wo jeder hin kann.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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