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Der 88-jährige Dieter Grimmelbein arbeitet in Istha als Staplerfahrer

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Von: Antje Thon

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Dieter Grimmelbein aus Istha ist 88 Jahre alt und fährt im Lager der Firma seines Enkels Marek Grimmelbein, der BLG, noch Gabelstapler. Auch Ehefrau Herta Grimmelbein (84) ist eingebunden in den Familienbetrieb.
Dieter Grimmelbein aus Istha ist 88 Jahre alt und fährt im Lager der Firma seines Enkels Marek Grimmelbein, der BLG, noch Gabelstapler. Auch Ehefrau Herta Grimmelbein (84) ist eingebunden in den Familienbetrieb. © Antje Thon

Dieter Grimmelbein ist 88 Jahre alt und arbeitet noch immer in der Firma seines Enkels. In Istha hat er die Lagerhaltung der BLG Projekt GmbH im Griff.

Istha – Dieter Grimmelbein aus Istha ist ein Phänomen. Vor 30 Jahren bezog er das erste Mal Rente. Doch für ihn war das nicht der Ausstieg aus der Arbeitswelt. Nach wie vor steht der heute 88-Jährige im Berufsleben. Bei der BLG Projekt GmbH, bei der Enkel Marek Grimmelbein Inhaber und Geschäftsführer ist, fährt er Gabelstapler. Von Montag bis Freitag, manchmal auch an Samstagen.

Schon immer habe er einen Stapler lenken wollen, auch damals, als er bei VW im Lager tätig gewesen sei. Vor etwa zehn Jahren erfüllte sich der Wunsch des gelernten Landwirts. Die BLG schaffte für ihr Lager einen Gabelstapler an, der technik-affine Dieter Grimmelbein machte sich mit dem Gefährt vertraut und ist seither die Schlüsselfigur beim Warenumschlag. „Jeden Tag bekommen wir Ware“, sagt der Senior. Er spricht mit den Fahrern – Sprachbarrieren überwindet er auch ohne Englischkenntnisse auf seine Art – Grimmelbein kontrolliert den Wareneingang, sortiert die Pakete in die Regale ein und gibt sie an die Mitarbeiter aus, die bei Kunden Fotovoltaikanlagen installieren und warten.

Falls er einmal nicht vor Ort sein kann, weil er in der Landwirtschaft, dem zweiten Familienbetrieb, unabkömmlich ist, springt Ehefrau Herta ein. Die 84-Jährige ist ebenfalls bestens im Bild über die Abläufe im Lager, kennt die Lieferanten und die Mitarbeiter, an die die Module, Unterkonstruktionen, Schienen und Kabel für das Kleinanlagengeschäft verteilt werden. „Sie ist die gute Seele des Hauses und hält Opa den Rücken frei“, sagt der 36-jährige Enkel.

Einen Alltag, wie ihn Menschen seines Alters üblicherweise erleben, kann sich Dieter Grimmelbein nicht vorstellen. Er braucht ein gewisses Maß an Aktivität, Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Seit seinem 14. Lebensjahr arbeitet er. Anfangs ausschließlich in der Landwirtschaft – im Haupterwerb, lange Zeit mit Tierhaltung. Heute baut er auf 250 Hektar Getreide und Ölfrüchte an. „Wenn ich abends ins Bett gehe und ich habe nichts geleistet, geht es mir nicht gut“, sagt Grimmelbein, der hinnehmen muss, dass der Kreis der Gleichaltrigen und vor allem die Zahl der Freunde in seinem Alter immer kleiner geworden ist. Viele seien nicht mehr da oder im Heim.

Er ist davon überzeugt, dass ihn die Arbeit in der Firma seines Enkels und die Landwirtschaft sowohl geistig, als auch körperlich fit hält. Trotz zwei neuer Hüften, zwei neuer Schultern und einer künstlichen Herzklappe ist er täglich auf den Beinen. Bestimmte Sachen gehen mit 88 Jahren nicht mehr, „also ich klettere nicht mehr auf Regale“, sagt Grimmelbein, der im Frühjahr mit seiner Ehefrau Herta das Fest der Eisernen Hochzeit feierte. Die Arbeitszeit teilt er sich selbst ein. Wenn es in die betrieblichen Abläufe passt, gönnt er sich auch mal ein Mittagsschläfchen, aber es gibt eben auch Tage, an denen er zehn Stunden und mehr zu tun hat.

„Uns liegt viel daran, die ältere Generation zu integrieren“, sagt Marek Grimmelbein und betont dabei den familiären Zusammenhalt. Sowohl die Landwirtschaft, als auch die BLG funktionierten so gut, weil beides Betriebe seien, die aus einer engen familiären Verbundenheit heraus entstanden seien.

Dieter Grimmelbein weiß die ihm übertragene Verantwortung sehr zu schätzen. Bislang war sie in den Momenten, in denen er seine Betriebsamkeit mit Blick auf sein hohes Alter auch mal kritisch betrachtet hat, immer stärker als die ohnehin eher zaghaften Zweifel. „Natürlich habe ich mich schon gefragt, ob ich spinne. Aber ich mache so lange weiter, wie es geht“, sagt der Staplerfahrer. Das habe ihm im Übrigen auch sein Arzt empfohlen – aktiv bleiben, so lange es ihm Freude bereitet. (Antje Thon)

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