Nach 60 Jahren schloss der Friseurmeister Manfred Fehrmann nun seinen Salon

Diskretion war Ehrensache

Aufnahme von damals: Manfred Fehrmann als junger Mann (hinten Mitte) mit seinen Schwestern Luise (links) und Käthe (rechts) sowie Vater Arthur Fehrmann (vorn).

Neukirchen. Als Manfred Fehrmann am Silvestermittag seinen Laden abschloss, beendet er nach 60 Jahren seine Friseurkarriere. Dem Beginn seiner Berufstätigkeit im Friseurhandwerk war vor sechs Jahrzehnten ein Komplott vorausgegangen.

Der damals 14-Jährige interessierte sich für Telefone und Technik und hatte sich bei der Post beworben. Doch er bekam eine Absage. Daraufhin schlug sein Vater ihm vor, im elterlichen Betrieb das Friseurhandwerk einmal auszuprobieren. Am 1. Januar 1954 begann Manfred offiziell und die Arbeit bereitete ihm sofort viel Spaß.

Erst viele Jahre später verrieten ihm zwei Freundinnen seiner Mutter, dass diese damals zum Chef der Post gegangen sei. „Sie hat ihn gebeten, mich nicht als Lehrling zu nehmen, da ich doch den Betrieb des Vaters weiterführen sollte“, erzählte Fehrmann lachend. „So bin ich beinahe freiwillig Friseur geworden.“ Für ihn war es rückblickend der richtige Weg. Anfangs frisierte er zusammen mit seinen beiden Schwestern sowohl Frauen als auch Männer.

Nach der bestandenen Meisterprüfung 1964 begann er als Selbständiger zu arbeiten und besuchte regelmäßig Fortbildungen. „Es gab ja immer wieder eine neue Mode, egal ob Dauerwelle, Färben oder besondere Schnitte“, erinnerte sich der 74-Jährige. Es fiel ihm leicht, mit seinen Kunden ins Gespräch zu kommen. Es heiße ja nicht umsonst: Bevor du einen Psychiater aufsuchst, geh zum Friseur deines Vertrauens, so Fehrmann.

„Bevor du einen Psychiater aufsuchst, geh zum Friseur deines Vertrauens.“

Manfred Fehrmann

Auf seine Diskretion konnten sich alle verlassen. „Mir sind viele persönliche Dinge anvertraut worden, aber ich habe nie etwas weitererzählt“, berichtete der Handwerksmeister.

Da eine Frisur zum Menschen passen müsse, sei ihm die Beratung immer wichtig gewesen. Nicht jeder Haartyp sei für jede Frisur geeignet. „Wenn das Haar steil aus der Kopfhaut wächst, bekomme ich keine glatte Frisur hin“, erläuterte der Fachmann. Da habe er einigen Frauen auch Frisuren ausreden müssen. Mit Mitte 40 entschied Fehrmann, nur noch als Herrenfriseur zu arbeiten. „Die Damen wollen sich ja verwöhnen lassen und lassen lieber einen jungen Mann an ihre Haare, den Männern ist das egal“, erzählte der rüstige Senior schmunzelnd.

In den ersten Jahren seien die Männer auch noch zum Rasieren gekommen, doch das gebe es schon lange nicht mehr. „Die Rasierer für zuhause sind so gut geworden, besser könnte ich es auch nicht“, meinte Fehrmann.

Aber für den richtigen Haarschnitt sei der Friseur immer noch unentbehrlich. 2003 ging er offiziell in Rente, betrieb aber seinen Salon als Kleingewerbe weiter. „Meine Kunden sind mit mir alt geworden und natürlich ein bisschen traurig, weil ich jetzt aufhöre“, sagt Manfred Fehrmann.

Doch irgendwann müsse auch Schluss sein. Seine Einrichtung schenkt er einem Altenheim, in dem er die letzten Jahrzehnte immer montags frisierte. „Die Stühle sind zwar von 1974, aber immer noch tadellos“, berichtete der Friseurmeister. Seine Frau freue sich, wenn er mehr Zeit habe.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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