Erzieher haben keine Zeit

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Diskussion über das Kinderförderungsgesetz im Hephata-Kirchsaal

Schwalmstadt. Lauter Beifall schallte durch den Hephata Kirchsaal. Gerade hatte Mechthild Suchanek-Bintkies den Gesetzentwurf zur Kinderförderung scharf kritisiert.

„Für Vor- und Nachbereitung haben Erzieherinnen im Gegensatz zu Lehrern keine Zeit“, stellte die Leiterin der Kindertagesstätte an der Baus fest.

Zehn Experten diskutierten am Dienstagabend, moderiert von der Kasseler Journalistin Petra Nagel, über das geplante Kinderförderungsgesetz (KiföG). Stellvertretend für die Schwalmstädter Kindergartenleiterinnen, die zu der Diskussion eingeladen hatten, sprach Suchanek-Bintakies.

Sie und ihre Kolleginnen befürchten, dass es durch das Gesetz zu überfüllten Gruppen, weniger Personal und Kurzzeitverträgen kommt. „Außerdem steht zum Thema Inklusion nichts in dem Entwurf“, kritisierte die Kita-Leiterin. Auch sei unklar, wie das fachfremde Personal integriert werden solle.

Claudia Ravensburg, Landtagsabgeordnete der CDU, die mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochen wurde, verteidigte den Gesetzentwurf ihrer Partei, zeigte aber auch Verständis für die Sorgen der Anwesenden: „Das prallt nicht von mir ab. Ich möchte von der Kritik etwas mitnehmen.“

Das geplante Gesetz sei dennoch ein richtiger Schritt, da die Förderung der Betreuung vereinheitlicht würde. Kleine Kitas könnten von der gewonnen Flexibilität profitieren, da sie ihr Personal dem Bedarf anpassen könnten. „Es sieht so aus, als ob sich das Menschen ausgedacht haben, die von der Praxis keine Ahnung haben“, stellte die SPD-Landtagsabgeordnete Regine Müller zu dem Gesetzentwurf fest.

Sie selbst ist ehemalige Kindergartenleiterin. Regine Haber-Seyfarth vom Verband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder kritisierte die Berechnung des Personalbedarfs: „Für die Leitung der Kindertagesstätte ist in dem Entwurf keine Zeit eingeplant.“ Deshalb müsse die Zeit, die für die Verwaltung benötigt würde, von der Zeit, die für die Kindererziehung zur Verfügung stehe, abgezogen werden.

Elternbeirat Frank Eisenach äußerte die Sorge, dass sich das Kita-Angebot stark verringern könnte. „Für berufstätige Eltern wird es dann schwer die Kinder früher abzuholen.“ Michael Schott vom Förderkreis Kinder in Schwalmstadt sieht die Gefahr, dass die Betreuung für die Kinder unter drei Jahren leiden könnte: „Bei Gruppengrößen von 16 Plätzen ist es unmöglich, allen Kindern gerecht zu werden.“

Von Jonathan Vorrath

Quelle: HNA

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