Diskussion über Unterbringung von Flüchtlingen im Chinapark in Ziegenhain

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Stellten sich den Fragen der Zuhörer: (von links) Clara Förster, Jochen Helwig, Andreas Schnücker und Schwalmstadts Bürgermeister Gerald Näser gaben in der Kulturhalle Informationen zur Unterbringung von Asylbewerbern in Ziegenhain.

Ziegenhain. 450 Menschen wollten sich über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen im Chinapark informieren. In einigen Beiträgen schwang Angst vor den neuen Nachbarn mit.

Die Stühle in der Ziegenhainer Kulturhalle reichten nicht aus, um alle Gäste unterzubringen. Rund 450 Personen kamen am Mittwochabend zu der Informationsveranstaltung, um sich über die Unterbringung von 500 Flüchtlingen im Chinapark Ziegenhain zu informieren.

Die Redner

Auf die Fragen aus der Bevölkerung antworteten am Mittwochabend Schwalmstadts Bürgermeister Dr. Gerald Näser, Andreas Schnücker, Flüchtlingskoordinator des Schwalm-Eder-Kreises, Jochen Helwig vom Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde und Clara Förster, Hephata-Sozialmanagerin für Flüchtlingsfragen. Werner Meyreiß führte die Besucher als Moderator durch den Abend.

Die Themen

Konkret ging es um die Errichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung für 500 Flüchtlinge im Chinapark Ziegenhain. Dort sollen die Menschen bis zu ihrer Verteilung auf andere Teile des Landkreises in Einzel- oder Gruppenunterkünften leben. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es sich dabei um ein provisorisches Lager handelt und keine Luxusunterkunft“, machte Bürgermeister Näser zu Beginn deutlich.

Flüchtlingskoordinator Andreas Schnücker rechnet damit, dass die ersten 250 Flüchtlinge noch heute Abend im Chinapark ankommen werden. Er betonte, dass der Kreis alles versuche, um die Unterbringungen von Flüchtlingen in Schulsporthallen zu verhindern, da dies von der Bevölkerung meist kritisch gesehen wird.

Jochen Helwig vom Arbeitskreis für Toleranz und Menschenwürde kündigte an, so viele Begegnungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen wie möglich schaffen zu wollen. Denn nur wer einander kenne, könne einander auch verstehen, sagte Jochen Helwig.

Unruhe kam zwischenzeitlich auf, als sich herausstellte, dass im Eingangsbereich der Kulturhalle plötzlich ein Aufkleber der rechtsextremen NPD gesichtet wurde. Der Sticker mit der Aufschrift „Asylbetrüger? Nein, Danke! wurde an einer Tür im Eingangsbereich angebracht - vermutlich während der Veranstaltung. So schnell wie er auftauchte, war er aber auch schon wieder verschwunden. Ein Mitarbeiter entfernte den Aufkleber mit der hetzenden Parole umgehend von der Eingangstür. Da hatten ihn aber bereits viele Menschen wahrgenommen.

Gerüchteküche

Bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterbringung in der Kulturhalle Ziegenhain kam zum Vorschein, dass seit einigen Tagen ein böses Gerücht in Schwalmstadt die Runde macht. Demnach soll eine Frau in Ziegenhain von einem Flüchtling sexuell genötigt oder gar vergewaltigt worden sein. Einige Diskussionsteilnehmer sprachen dieses Gerücht an. Ihren Informationen nach soll dieser Fall von der Polizei bewusst ignoriert worden sein. Auch die Presse hätte dazu eine Anweisung seitens der Politik, diesen Fall nicht öffentlich thematisieren zu dürfen. Hubertus Hannapel, Chef der Polizeidirektion Schwalm-Eder, ebenfalls unter den Diskussionsteilnehmern, bezog dazu ganz klar Stellung: „Dieses Gerücht kursiert seit einigen Tagen in Schwalmstadt und soll offenbar Angst verbreiten. Der Polizei ist aber ganz sicher kein einziger Fall im Schwalm-Eder-Kreis bekannt, bei dem Flüchtlinge der Bevölkerung in irgendeiner Weise geschadet hätten. Es gibt nicht eine einzige Straftat in diesem Bereich“, machte Hannapel deutlich. „Unsere Erfahrung zeigt, dass nichts so gut funktioniert wie Gerüchte. Auch wenn die Fakten dagegen sprechen, halten sie sich Gerüchte meist eine ganze Weile. Wir halten das für brandgefährlich“, sagte Hannapel.

Nach den kurzen Einleitungssätzen der Podiumsteilnehmer hatte das Publikum die Möglichkeit, Fragen loszuwerden.

Petra Depperschmidt

Petra Depperschmidt wollte wissen, warum ausgerechnet der Chinapark als Unterbringung ausgesucht wurde. Sie befürchte, dass die Flüchtlinge in Massen durch die Straßen ziehen. Alle ihre Freunde hätten davor Angst und seien eingeschüchtert, sagte sie. Dem entgegnete Andreas Schnücker mit dem Hinweis, dass eine Erstaufnahmeeinrichtung natürlich kein Gefängnis sei, wo Menschen eingesperrt würden. Die Entscheidung sei auf den Chinapark gefallen, da man alle Hallen nutzen wolle, ehe man die Flüchtlinge in Sporthallen unterbringt.

Margitta Braun

Margitta Braun wollte hingegen wissen, in welcher Weise Kontakt zu den Flüchtlingen im Chinapark möglich sei. Flüchtlingskoordinator Schnücker machte deutlich, dass Erstaufnahmen nicht dazu gedacht seien, dass sich Ehrenamtliche dort unkoordiniert einbringen. Die Menschen dort bräuchten nach ihrer anstrengenden Flucht viel Ruhe, daher sei dies nur nach Absprache möglich.

Gleich mehrere Frauen aus dem Publikum sorgten sich offenbar um ihre Sicherheit. Schließlich seien es häufig junge Männer und man habe Angst vor sexuellen Übergriffen. Das wollte Sarah Schlitt nicht stehen lassen. „Ich war als Helferin in Schwarzenborn und hatte zu keinem Zeitpunkt Grund für Angst. Zudem merkte sie an, dass auch im Saal Hunderte Männer zugegen seien und sich dort auch keine Frau ernsthaft vor Übergriffen fürchtet, wofür sie starken Applaus bekam.

Hubertus Hannapel

Hubertus Hannapel, Chef der PolizeidirektionSchwalm-Eder sagte, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gebe. Die Erfahrung zum Beispiel mit Schwarzenborn habe deutlich gezeigt, dass es zwar „immer wieder kleinere Zwischenfälle unter den Flüchtlingen gebe, aber es zu keiner Zeit eine Straftat im gesamten Schwalm-Eder-Kreis gab, die von Flüchtlingen außerhalb ihrer Unterbringung begangen wurde.

450 Zuhörer diskutieren über Flüchtlingsunterkunft im Chinapark

Quelle: HNA

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