Interview mit Bürgermeister Thomas Raue über die Zukunft von Habichtswald

„Distanz ist ein Nachteil“

Der Habichtswalder Kuss: Die Skulptur soll das Zusammenwachsen der beiden Orte Dörnberg und Ehlen künstlerisch darstellen. Kleines Bild: Bürgermeister Thomas Raue (SPD). Foto: zhf

Als gebürtiger Waldecker ist Bürgermeister Thomas Raue weder Ehlener, noch Dörnberger. Für ihn hat es seit Beginn seiner Amtszeit in 2009 nur Habichtswalder gegeben. Ob er den durch die Gebietsreform erfolgten Zusammenschluss als gelungen empfindet und wie er das Zusammenwachsen der zwei Ortsteile weiter fördern will, darüber sprach er im Interview mit unserer Zeitung.

Erleben Sie die Dörnberger und Ehlener als zusammengewachsene Gemeinde?

Thomas Raue: Bei den zahlreichen Begegnungen erlebe ich natürlich immer wieder mal den Hinweis auf „wir“ und „die“. Aber ich habe längst nicht den Eindruck, dass es sich hier um verbissene oder gar ernst gemeinte Kommentare handelt. Vielmehr wird hier der eigene Kirchturm gern mal geputzt und das sei jedem auch gestattet. Natürlich war man sich von früher her nicht immer gut gelitten. Gemeinsame Treffen zwischen beiden Ortschaften waren oft nur dazu da, um seine körperlichen Kräfte zu messen. Aber das ist nichts Spezifisches für Habichtswald, sondern das galt früher immer zwischen den Dörfern. Da konnte man halt nicht immer so gut mit denen aus dem anderen Dorf.

Beobachten Sie denn eine positive Entwicklung?

Raue: Ich habe den Eindruck, dass dieses kritische Beäugen mit der Zeit immer weniger wird. Grund dafür ist natürlich, dass vielerlei gemeinsame Aktivitäten entwickelt werden. Ob es die weiterführende Schule ist, das gemeinsame Schwimmbad, verschiedene Vereine, die keinen Unterschied mehr machen, die Jugendarbeit der Gemeinde. Positiv möchte ich hier die gemeinsame Arbeit der beiden Grundschulen nennen. Uta Dotting, wohnhaft in Ehlen und als Schulleiterin tätig in Dörnberg, ist quasi der Inbegriff des Zusammenwachsens. Sie verkörpert das Gemeinsame bestens und ist auch immer bestrebt, die alte Denke bei den Kindern erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Wo sehen Sie noch Hürden beim Zusammenwachsen?

Raue: Ein Nachteil ist sicherlich, dass ein räumliches Zusammenwachsen nicht möglich war und ist. Dafür ist die Distanz zwischen Ehlen und Dörnberg einfach zu groß. Hierdurch hätten wir sicherlich ein intensiveres Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen können. Mir ist bekannt, dass die Habichtswalder früher gern einen Mittelpunkt zwischen beiden Orten gehabt hätten, mit einer Schule, einem Kindergarten, einem Sportgelände, einer Sporthalle und auch nur einer Feuerwehr. Da in die verschiedenen Gebäude in den vergangenen Jahren viel Geld investiert wurde und in absehbarer Zeit auch kein Geld für zentrale Neubauten vorhanden sein wird, macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, diesem Traum nachzulaufen.

Wie wollen Sie das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter stärken?

Raue: Ein Ansatz ist, dass wir den 40. Geburtstag nicht mit einer zentralen Veranstaltung feiern, sondern über das Jahr verteilt und mit großer Unterstützung aller Vereine in Habichtswald. im Rahmen von sechs Aktionstagen feiern. Wir möchten alle motivieren und mobilisieren, hüben wie drüben, um an den Aktionstagen spielerisch mitzuwirken und sich kennenzulernen. Das grobe Programm hierfür steht bereits und wir sind gemeinsam mit Vereinsvertretern in der Feinplanung.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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