Nun doch bis zu 88 Flüchtlinge in Zierenberg

+
Großes Interesse: Viele Zierenberger informierten sich über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen. 

Zierenberg. Das ehemalige Hallenbad in Zierenberg wird bald für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Ab dem 1. Juli könnten bis zu 88 Flüchtlinge einziehen. 

In der Warmestadt seien Flüchtlinge nicht immer mit offenen Armen empfangen worden, sagte eine Zierenbergerin am Dienstagabend im Rahmen einer Informationsveranstaltung zur bevorstehenden Unterbringung von Immigranten im ehemaligen Hallenbad. Sie selbst habe mit ihrer Familie schon während des Balkankrieges Flüchtlinge aufgenommen und nur gute Erfahrungen gemacht. Dass sie ein derartiges Verhalten einiger Zierenberger nicht gut heißen kann, daraus machte sie keinen Hehl.

Einblick: Catherine Frimmel zeigt das ehemalige Schwimmbecken, das jetzt einen Betonboden hat.

Ob gewollt oder nicht, mit ihren engagierten Ausführungen schien sie potentiellen Flüchtlingsgegnern den Zündstoff schon genommen zu haben, bevor die Fragerunde überhaupt richtig begonnen hatte. Die lauten Stimmen zumindest, die im Vorfeld Horrorszenarien von Vergewaltigungen und sonstigen Belästigungen gemalt hatten, blieben stumm. Unterschwellig jedoch war eine gewisse Ablehnung in vereinzelten Redebeiträgen doch spürbar, bis eine couragierte Bürgerin dem immer mehr zur Endlosdiskussion um Grundsatzthemen wie Sozialleistungen und Wohnungsleerstand gewordenen Abend einen mutigen und zumindest mit verhaltenem Beifall gewürdigten Schlusspunkt setzte: „Ich wäre dafür, dass wir die Menschen einfach empfangen und dabei lächeln.“

So sehen das auch Ingeborg und Karl-Heinz Frimmel, Eigentümer des ehemaligen Hallenbades, in dem ab 1. Juli bis zu 88 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Bis vor wenigen Monaten wickelten die Gründer der Catherine Nail Collection GmbH von hier noch die Auslandsgeschäfte ab. Als der Unternehmens-Umzug feststand, habe man sich an den Landkreis gewandt, sagt Karl-Heinz Frimmel. „Wir wollen damit unseren Beitrag für die Flüchtlinge leisten, die teilweise Schreckliches hinter sich haben und auf unser aller Hilfe angewiesen sind.“

Auch seine Tochter Catherine Frimmel begrüßt diesen Schritt. Sie hatte schon während des Aufbaus des Erstaufnahmelagers in Calden mit ihren rund 80 Mitarbeitern Engagement gezeigt. „Wir haben fleißig gesammelt, von Babyausstattungen bis zur warmen Kleidung kistenweise Spenden nach Calden gebracht.“ Das soll auch in Zierenberg weitergehen. „Ich bin mir sicher, dass wir für den ein oder anderen Bewohner der Gemeinschaftseinrichtung bei uns in der Firma Möglichkeiten der Beschäftigung finden, zudem überlegt unser Team bereits, wie es die Flüchtlinge auch anderweitig unterstützen kann.“ Dass es in der Bevölkerung Ängste gibt, könne sie verstehen, es gehe dabei für sie aber um nichts, was mit Gesprächen nicht zu lösen sei. „Zierenberger haben gegenüber anderen Gemeinden, einen großen Vorteil: Sie haben drei Monate Zeit, sich auf die neuen Mitbürger vorzubereiten.“

Lesen Sie auch: 

- Neue Unterkunft für Flüchtlinge in Zierenberg geplant

- Bald 140 neue Flüchtlinge pro Woche im Landkreis Kassel

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion