Kleines Theater Bad Godesberg gastierte mit Heinz-Erhardt-Komödie

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Wie eine Kopie des großen Meisters: Thorsten Hamer als Willi Winzig – eine Paraderolle des unvergessenen Heinz Erhardt.

Melsungen. Ob als Schauspieler, Komiker oder Dichter – der 1979 verstorbene, menschlich so liebenswerte Alleinunterhalter Heinz Erhardt, sein schelmisches Lächeln im wohlgenährten Gesicht, seine Verse, wie auch Filmrollen, in denen er den liebenswerten Querulanten gab, sind unvergessen.

Beleg: Über 400 Besucher strömten am Donnerstag in die Melsunger Stadthalle, um ein Meisterstück Erhardtschen Humors zu erleben: „Den Finanzbeamten Willi Winzig“, gerahmt in die Komödie „Das hat man nun davon“.

Das Fazit vorweg: die Inszenierung war eine prächtige Liebeserklärung an Deutschlands beliebtesten Komiker der 50er, 60er und 70er-Jahre. Und - wie es sich für den spaßigen Dicken mit der Hornbrille gehört - bestes Ausdauertraining für die Lachmuskeln.

Fast eine Wiedergeburt

Wie Thorsten Hamer den Finanzbeamten Winzig gab, der aus Mitgefühl zahlreiche Akten zur Zahlung verdonnerter Steuerzahler verschwinden lässt, dabei ertappt wird und nun um seine Pension bangen muss – es sei denn, er be nimmt sich so daneben, dass er für unzurechnungsfähig erklärt wird, das kam fast schon einer Wiedergeburt gleich. Eine kleine Korrektur noch am etwas zu üppigen Haarschopf und die Illusion Heinz Erhard leibhaftig vor sich zu haben, wäre perfekt gewesen: Mimik, Körperhaltung, Sprache – das war keine Parodie - das war eine Kopie.

Großes Lob für so viel Hingabe. Herrlich auch, wie viele verbale Schmuckstücke Erhardtscher Textkunst sich in diesem Stück tollten. So als Winzig seine Sekretärin „großer, weißer Schwan“ nennt, denn „würde ich dumme Gans sagen, ginge die zur Gewerkschaft.“

Oder, als er als Finanzbeamter Geld für ein Kinderheim bewilligt und per Telefon die Kasse instruiert: „Bitte in kleinen, bunten Scheinen – es ist für Kinder.“ Das Publikum kam aus dem Lachen gar nicht mehr heraus.

Aber auch die anderen Schauspieler waren mehr als nur Stichwortgeber für den Hauptdarsteller: Martin Zuhr und Johannes K.Prill als Minister, Axel Hinz (Winzigs Chef), Jens Hajek (Ministerialsekretär), Olivia Augustinski (Tierärztin), Markus Exner (Botschafter) und Mira Naß als Winzigs Sekretärin Frau Weguscheit. Riesenapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Quelle: HNA

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