Dörnberger gestaltet aus Schrott eigenes documenta-Kunstwerk

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Talfahrt des Euro: Lothar Kessler zeigt seine Skulptur, die an der Wolfhager Straße in Dörnberg die Blicke der Passanten auf sich zieht und viel Gesprächsstoff liefert.

Dörnberg. Ein altes Heizungsrohr, ein ausrangiertes Rad, viel Fantasie und eine gehörige Portion Unmut über den Währungsverfall – das waren die Zutaten für das Kunstwerk, das Lothar Kessler in seinem Garten errichtete.

Auf einem schräg aufgestellten, drei Meter langen Rohr befindet sich eine auf einem Hochrad sitzende Figur, die sich auf einer rasanten Talfahrt befindet.

Das Besondere erschließt sich dem Betrachter erst auf den zweiten Blick: Der Körper des Radfahrers besteht aus dem Euro-Zeichen. „Mit meinem Werk möchte ich die Talfahrt des Euro darstellen. Mit dem Euro geht’s rasant bergab“, erklärt der 73-Jährige.

Die Ähnlichkeit seiner Skulptur mit dem Werk des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky „Man walking to the sky“ , der seit der documenta 1992 zunächst auf dem Friedrichsplatz stand und nun auf dem Vorplatz des Kulturbahnhofs gen Himmel stürmt, ist durchaus gewollt. „Ich interessiere mich für die Kunstwerke der documenta und lasse mich bisweilen auch davon inspirieren“, sagt der Hobbykünstler. So wie bei seinem jüngsten Werk. „Rohr und Rad hatte ich bereits, die Idee zur Skulptur kam später. Irgendwann war sie plötzlich da“, erinnert sich Kessler an seine spontane Eingebung.

Pünktlich zu Beginn der documenta 13 sollte das symbolträchtige Werk eigentlich fertig sein. Dass sich die Fertigstellung etwas verzögert hat, liegt an den vielfältigen Hobbys des kreativen Dörnbergers. So ist er mit viel Leidenschaft bei fast allen mittelalterlichen Märkten der Region oder auch beim Kasseler Zissel als kostümierter Römer dabei. Die 19 Kilogramm schwere Metall-Ausrüstung bestehend aus Helm, Segmentata (Schutzpanzer), Speere und Werkzeuge hat er übrigens auch selbst angefertigt.

Einmal monatlich öffnet der engagierte Mann nämlich als historischer Schmied die Schmiedewerkstatt in Ehlen für interessierte Besucher. Zudem stellt er in seiner Freizeit Figuren aus Pappmaché her, bearbeitet Sandsteine oder verwertet Metallreste zu ausgefallenen Skulpturen.

„Ich habe eigentlich immer etwas zu tun“, sagt der gelernte Maschinenschlosser. Beinahe täglich findet man den passionierten Hobbykünstler in seiner Werkstatt. Dort wird gehämmert, geschweißt, geschliffen und geschmiedet, was das Zeug hält. „Die Arbeit an der Euro-Skulptur war mit etwa 50 Arbeitsstunden sehr aufwändig, hat mir aber große Freude bereitet.“ Wohl auch, weil die markante Figur am Straßenrand regelmäßig Anlass zum Austausch mit Passanten gibt. „Viele interessieren sich dafür und fragen nach den Hintergründen. Dabei sind schon nette Gespräche entstanden.“

Quelle: HNA

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