Die Junge Bühne Niederelsungen startet durch mit spritziger Boulevardkomödie

Doppelt leben hält besser

Unschlagbares Duo: Philip Röhl (links) mimt den durch und durch loyalen Freund Fred Pohlmann, Niko Briesemeister ist der von einem Unfall lädierte Bigamist Thomas Schmidt. Fotos: Binienda-Beer

Niederelsungen. Die Junge Bühne Niederelsungen war schon lange nicht mehr so jung wie heute. Bei knapp 20 Jahren liegt aktuell der Altersdurchschnitt. Zum 35. Geburtstag des Ensembles haben sie einen Generationenwechsel eingeläutet. Der Vorteil der Jungen: der reiche Erfahrungsschatz aus 18 Produktionen zuvor. Dass sich das Theater der Jungen auf der Bretterbühne nicht hinter dem der Mutter, der weithin renommierten Waldbühne, zu verstecken braucht, bewies der fulminante Erfolg ihrer Premiere.

Mit der Boulevardkomödie „Doppelt leben hält besser“ erlebte nicht nur das Publikum einen vergnüglichen Theaterabend, sondern Daniela Halberstadt auch eine Premiere. Die 28-Jährige aus Ehlen, seit 2003 Mitglied der Waldbühne und dreimalige Mitspielerin bei der Jungen Bühne, zeichnete nach Regieassistenz beim vorherigen Stück erstmals selbst für die Inszenierung verantwortlich. Als Nachfolgerin von Axel Götte lieferte Halberstadt, die die vom Autor im England des beginnenden 20. Jahrhunderts angesiedelte Komödie im Berlin unserer Tage spielen lässt, einen bravourösen Einstand.

Während sich im ersten Akt die Darsteller noch verhalten geben, entwickelt sich die Aufführung bald so fetzig, dass die Zuschauer bei diesem Verwirrspiel gedanklich kaum mitkommen. In der Duplizität der Ereignisse und all ihren schon fast absurden Folgen liegt der Reiz dieses Stückes aus der Feder Ray Cooneys. Schon das von den Spielern, mit Unterstützung aus dem Ort, selbst gebaute Bühnenbild bereitet höchstes Vergnügen. Die Ereignisse nehmen ihren Lauf in einer Wohnung mit unsichtbarer Trennungslinie: Mal finden sich die Protagonisten in Berlin-Tempelhof, mal in Berlin-Neukölln.

Und das kommt so: Taxifahrer Thomas Schmidt (Niko Briesemeister) genießt sein Doppelleben mit zwei Ehefrauen, bis ein Unfall das Bigamistendasein durcheinander wirbelt und er verzweifelt Auswege sucht aus dem Beziehungslabyrinth. Seine Ehefrauen Barbara (Ina Brendel) und Silvia (Miriam Hartung) erleben irre Telefonate und Begegnungen, bis ihnen ein Licht aufgeht. An der Bürde des unfreiwilligen Mitwissers trägt Thomas Schmidts Freund Fred Pohlmann (Philipp Röhl) schwer. Er schlägt sich tapfer, aber hoffnungslos bis zum bitteren Ende. Zwei Polizeibeamte (Arno Henkelmann und Jörg Zettelmeißl teilen sich die Rolle von Kommissar Rommel, Johannes Böhle ist der Kollege) mühen sich redlich, Licht zu bringen ins Dunkel eines kuriosen Geflechts aus Schutzbehauptungen und Missverständnissen. Auf der Bildfläche tauchen außerdem ein Reporter (Oliver Ernst) und ein Schwulenpärchen (Jan Steinbock bzw. Marius Werner als Bobby und Malik Briesemeister als Cyril) auf.

Das Publikum kichert, prustet, biegt sich vor Lachen und honoriert manche Szene gar mit gellenden Pfiffen.

Quelle: HNA

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