Ein Dorf entsteht

A 49: Arbeiter ziehen zur Baustelle des Tunnels

Schwalmstadt. Bevor der Tunnel gegraben wird, müssen erst einmal die Container aufgestellt werden: In dieser Woche begann die Schweizer Baufirma Marti die Unterkünfte der Arbeiter sowie die Kantinen- und Bürocontainer zu errichten.

Ende April oder im Mai steht der Anschlag für den 900 Meter langen und 52 Millionen teuren Tunnel der A49 unterhalb Frankenhains bevor. Fertig sein soll das Bauwerk im Sommer 2015.

Derzeit laufen die Vorarbeiten auf Hochtouren, zehn Arbeiter sind auf der Baustelle am Autobahnzubringer B454 beschäftigt. Das Dorf besteht aus zwei Teilen mit 60 Containern: Am Zubringer entstehen Kantine, Büro- und Machinencontainer. Auf dem Gelände der ehemaligen Harthberg Kaserne finden 50 Tunnelbauer in 38 Wohncontainern einen vorübergehenden Unterschlupf. Den Transport der Arbeiter vom Wohn- zum Arbeitsbereich übernimmt die Firma mit Kleinbussen.

Die Wohncontainer sind 15 Quadratmeter groß, sie lassen sich nach dem Bausteinsystem beliebig zusammensetzten. Auf die Frage, warum es billiger sei, Container aufzustellen, anstatt die Arbeiter in örtlichen Pensionen unterzubringen, sagte Baustellenchef Aquil Briggen: „Die Container gehören der Firma, wir können sie überall mit hinnehmen und selbst aufbauen.“ So heißt es für die Männer nach zwölf Stunden auf der Baustelle noch, sich ihr Heim auf Zeit einzurichten. „Die Fernsehkabel sind noch nicht verlegt“, erzählte Lars Schuchert, der für die Logistik zuständig ist.

Die Container sind beheizt und isoliert, das Essen für die Arbeiter bereitet Hephata zu. Die Einrichtung ist spartanisch, zwei Betten, Schrank, Tisch, Stühle. „Wir achten darauf, dass nie zwei Personen gleichzeitig in einem Raum schlafen“, sagte Briggen.

Geregelt wird dies über Schichtarbeit und freie Tage. Toiletten und Duschen teilen sich mehrere Männer. Zu Höchstzeiten sollen 90 Personen am Tunnel arbeiten. Darunter sind die Tunnelbauer: Sie stammen aus der Slowakei, eine slowakische Tochterfirma des Schweizer Unternehmens beschäftigt die Männer. Außerdem arbeiten Ingenieure, Schlosser, Elektriker, Mechaniker, Tiefbauer und Maschinenführer am Tunnel.

Sie arbeiten jeweils im Zwölf-Stunden-Takt, fünf oder sieben Tage tagsüber, danach in der Nachtschicht und bekommen anschließend frei. Baustellenchef Aquil Briggen selbst pendelt jedes Wochenende zu seiner Familie in die Schweiz. 1,5 Jahre wird dies nun so gehen.

Tunnel entsteht in zwei Etappen

Aquil Briggen ist in Schwalmstadt für seinen vierten Tunnelbau zuständig: Die Geologie vor Ort bezeichnet er als „machbar“.  Der Tunnel wird die Form einer flachen Ellipse und einen Durchmesser von zwölf Metern haben.  Der Vortrieb nimmt sechs Monate in Anspruch. Das Gestein wird gesprengt und weggebaggert – auch nachts. „Der Lärm wird in Treysa nicht zu hören sein, in Frankenhain schon“, sagte Bernhard Klöpfel von Hessen Mobil. Baustahlmatten und Spritzbeton sichern dann den Hohlkörper. Danach wird ein Jahr lang der Tunnel von innen ausgekleidet. Dazu gießen Arbeiter vor Ort Betonringe in Formen. (cls)

Bauarbeiter ziehen in Containerdorf

A49: Arbeiter ziehen in Containerdorf

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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