Anstaltsseelsorger wollen Besuchskreis im Gefängnis gründen

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Wollen Türen aufschließen: Die beiden Anstaltsseelsorger Peter Kittel (links) und Michael Kullinat wollen mit Ehrenamtlichen einen Besuchskreis im Gefängnis aufbauen.

Ziegenhain. Die Menschen von draußen treffen die Menschen von drinnen - das ist die Idee von Michael Kullinat und Peter Kittel. Die beiden Anstaltspfarrer wollen im Ziegenhainer Gefängnis einen ehrenamtlichen Besuchskreis aufbauen.

Jemand, der zu niemandem Kontakt hat, nur Gefängnisalltag mitbekommt, stumpft ab und dreht sich im Kreis. Das ist die Erfahrung der beiden Seelsorger. Viele der Gefangenen kommen aus Südhessen und anderen Bundesländern, sagt Kullinat. Für Angehörige und Freunde gestaltet sich eine regelmäßige Anreise nach Ziegenhain oft umständlich und schwierig oder ist ganz einfach zu teuer.

„Wir suchen Menschen, die den Mut haben, hierher zu kommen.“

Im Laufe der Jahre werden insbesondere bei den Häftlingen, die lange Strafen absitzen oder sich in Sicherungsverwahrung befinden, die Besuche weniger und bleiben irgendwann ganz aus, sagt der katholische Pastoralassistent. Es gebe viele Gefangene, die gar keinen Besuch bekommen. Kullinat und sein evangelischer Kollege Kittel hoffen nun, Menschen zu finden, die „den Mut haben, hierher zu kommen“.

Als Ehrenamtlicher mitarbeiten kann aus Sicht der beiden Seelsorger eigentlich jeder. „Die einzige Investition ist Zeit“, sagt Kullinat. Es handele sich um einen reinen Besuchsdienst, es soll keine Entlassungsvorbereitung oder Betreuungsdienst sein. Angedacht ist kein Kontakt über die Haftzeit hinaus.

Keine privaten Daten

Es sollten keine privaten Daten weitergegeben werden, empfiehlt Kittel. Gefangener und Besucher sollten sich per Vornamen kennen, möglich ist aber auch, unter Pseudonym mit den Straftätern ins Gespräch zu kommen.

Kullinat und Kittel hoffen, dass der Besuchskreis eine Schnittstelle zur Welt außerhalb der Mauern werde und sich mit der Zeit das Bild von Strafvollzug in der Region ändere. Denn ein Besuchsdienst trage auch „die Welt von hier drinnen nach draußen“.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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