Integration durch Arbeit

Drehen, Fräsen und Schweißen in der Metallwerkstatt von Hephata

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In der Werkstatt werden Anhänger von Grund auf gefertigt: Pascal Knierim schweißt den Rahmen für einen Anhänger.

Schwalmstadt. Die Arbeit in Werkstätten für Menschen mit Behinderung hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. 

Eine Werkstatt für behinderte Menschen, kurz WfbM, stellen sich viele als einen Ort vor, an dem es beschaulich zugeht und an dem bestenfalls Produkte mit geringer wirtschaftlicher Bedeutung hergestellt werden. Wer die Hephata-Metallwerkstatt in Ziegenhain betritt, begreift schnell, wie weit dieses Bild von der Realität entfernt ist.

An den Maschinen, die teils computergesteuert sind, sitzen konzentrierte Arbeitskräfte und drehen, fräsen und schweißen an unterschiedlichen Werkstücken. "Wir stellen hier unter anderem Gewindestangen für Motorblöcke her – diese Stangen werden in der Autoindustrie eingesetzt, um die Gussformen von Motorblöcken zusammenzuhalten", berichtet Hans-Günter Kripko. Er ist der Bereichsleiter für Werkstätten in der Behindertenhilfe der Hephata Diakonie. "Damit steckt in fast jedem Auto ein Stück Hephata", erklärt er lachend.

"Die Arbeit in den Werkstätten hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert", schildert Kripko. Während in früheren Jahren eher der Gedanke im Mittelpunkt stand, in der WfbM einen geschützten Raum für Menschen mit Behinderung zu bieten, öffnen sich viele Werkstätten jetzt gegenüber der freien Wirtschaft und die Übergänge zum Arbeitsmarkt werden fließender.

In der Hephata-Werkstatt in Ziegenhain werden unter anderem die bekannten Autoanhänger gefertigt: Im Bild legt Tobias Wäbs gerade letzte Hand an einen neuen Anhänger an. Fotos: privat

"Das bedeutet natürlich auch, dass die Aufgaben insgesamt anspruchsvoller werden und wir unsere Beschäftigten entsprechend qualifizieren müssen", sagt Hans-Günter Kripko. "Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir auch für leistungsschwächere Personen angemessene Aufgabenfelder vorhalten", so der Bereichsleiter weiter.

Die Bandbreite an Aufgaben in der Metallwerkstatt ist daher groß – von der Arbeit an modernen CNC-Fräsen bis hin zu einfachen Verpackungsarbeiten ist alles dabei. "Ausgangspunkt ist der sogenannte integrierte Teilhabeplan, den wir mit allen unserer Beschäftigen erarbeiten", schildert Kripko. Er betrachtet die neue Rolle der Werkstätten positiv. "Wenn Sie sehen, wie stolz die Kollegen auf die gute Qualität ihrer Arbeit sind, dann wird die Unterscheidung in behindert und nicht-behindert zweitrangig."

Eines der bekanntesten Produkte aus der Metallwerkstatt sind die Hephata-Autoanhänger. "Es ist schön zu sehen, wenn die Anhänger auf der Straße fahren", sagt André Mest. Der 30-Jährige aus Gleimenhain arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Fahrzeugbau der Hephata-Metallwerkstatt. Er schweißt Rahmen, montiert Aufbauten und repariert alte Anhänger, so wie seine Kollegen Tobias Wäbs und Pascal Knierim.

Auch Markus Roßbach ist seit mehr als zehn Jahren in der Metallwerkstatt. "Ich habe es zwischendurch mal auf dem freien Arbeitsmarkt versucht, aber das hat mir nicht gefallen", berichtet er.

So kehrte er zurück in die WfbM - dort arbeiten allein am Standort An der Feuerwache in Ziegenhain rund 150 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Roßbach ist froh über seine Rückkehr: "Hier passt alles - die Kollegen, die Arbeit und Unterstützung." 

Quelle: HNA

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