Drogentest statt Unfall-Anzeige

Melsungen. Dass der Gang zur Polizei wegen Kratzer am Auto in einen Drogentest münden würden, damit hatte ein 27-jähriger Melsunger nicht gerechnet.

Der Hergang: Als er am Donnerstag nach der Arbeit zu seinem Auto kam, fielen ihm drei große und tiefe Kratzer an der rechten Seite der Heckstoßstange auf und auch mehrere kleine ringsum. Da er sich sicher ist, den Schaden nicht selbst verursacht zu haben und auch keinen Zettel an der Windschutzscheibe fand, machte er sich auf zur Melsunger Polizeistation. „Ich wollte eine Anzeige gegen Unbekannt aufgeben“, so der Melsunger.

Ein Polizist habe den Kratzer begutachtet und sei zu dem Ergebnis gekommen, der Fahrzeughalter habe den Schaden selbst verursacht. Auch ein zweiter Beamter sei zu diesem Ergebnis gekommen. „Also wurde mir verweigert, eine Anzeige aufzunehmen“, schildert der 27-Jährige den Vorfall.

Als er nach einiger Diskussion habe gehen wollen, sei er aufgehalten worden. „Ich hätte glasige Augen, ob ich Drogen konsumieren würde und mit einem freiwilligen Drogentest einverstanden sei“, sei er gefragt worden. Dem Urin-Test habe er zugestimmt, er sei negativ ausgefallen. Die Vermutung wurde somit nicht bestätigt.

Vermutlich sei der Fahrzeughalter mit seinem Wagen selbst irgendwo dagegen gefahren, da der Schaden nicht an der äußersten Kante der Stoßstange sei, sondern unten drunter, sagt Polizeisprecher Reinhard Giesa nach Rückfrage bei den Beamten vor Ort. Das Spurenbild deute nicht auf einen Fremdschaden hin. Man habe auch Spuren gefunden, die auf Putz hindeuten.

Er weiß inzwischen, was die Reparatur kosten würde: 200 bis 250 Euro. Das liegt unter der Selbstbeteiligung an der Vollkaskoversicherung für seinen Wagen. Außerdem würde er höhergestuft. Er hätte also gar nichts von einer Anzeige gehabt, wäre er sich nicht sicher, dass es ein Fremdschaden ist.

Das sagt ein ADAC-Jurist

Es könne für den jungen Mann von Vorteil sein, dass die Polizei die Aufnahme der Anzeige verweigert habe, zumal er nicht genau wisse, wann, wie und womit der Schaden entstanden ist. Würde sich bei den Ermittlungen herausstellen, dass er den Schaden doch selbst verursacht hat, würde es sich um die Vortäuschung einer Straftat handeln. Und das wiederum ist eine Straftat. Er könne aber eine schriftliche Anzeige aufgeben, dann müsse ermittelt werden, oder eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. (bmn)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare