Polizeisprecher Markus Brettschneider im Interview

Drohbrief-Attacke gegen Ehepaar: „Die Motive sind vielfältig“

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Melsungen. Ein Ehepaar aus Melsungen wird seit Jahren mit Drohbriefen belästigt. Über dieses Thema haben wir mit dem Homberger Polizeisprecher Markus Brettschneider gesprochen.

Wie häufig sind solche Drohbrief-Attacken, wie sie das Melsunger Ehepaar erlebt? Und wie hoch ist die Aufklärungsquote?

Brettschneider: 2014 hatten wir im Schwalm-Eder-Kreis einen Fall von Bedrohung mittels Brief, dieser Fall wurde aufgeklärt, der Täter wurde ermittelt. 2013 gab es vier solcher Fälle, drei davon wurden aufgeklärt.

Ist es ungewöhnlich, dass ein Drohbriefe-Schreiber seine Opfer über einen so langen Zeitraum – immerhin acht Jahre – immer wieder belästigt? 

Brettschneider: Es kommt selten vor, dass Drohbrief-Schreiber ihre Opfer über einen so langen Zeitraum belästigen. Die Dauer der Belästigung hängt oftmals vom Täter und der Reaktion des Opfers ab. Gerade im Bereich der Nachstellung/ Stalking erfolgt oftmals eine Belästigung über einen Zeitraum von mehreren Monaten und möglicherweise auch Jahre. Hier sind die Belästigungen in ihrer Art auch vielfältiger. Wenn sich die Opfer zeitnah wehren, indem sie straf- und zivilrechtlich gegen die Täter vorgehen, können die Handlungen oftmals unterbrochen bzw. beendet werden. Voraussetzung ist, dass der Täter bekannt ist.

Was sind mögliche Motive der Drohbrief-Schreiber? 

Brettschneider: Die Motive sind natürlich sehr vielfältig, es kann zum Beispiel sein, dass ein Bürger sich über eine Verwaltungsentscheidung aufregt und aus diesem Grund Drohungen gegenüber der Verwaltung ausspricht, ebenso kann es eine einseitige Liebe sein (Stalking). Weiterhin sind Streitigkeiten in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz möglich. In einigen Bereichen spielt natürlich der psychische Gesundheitszustand der Täter eine große Rolle.

Was droht einem Drohbriefe-Schreiber, wenn er überführt wird? 

Brettschneider: Hierbei kommt es auf die zugrunde liegende Straftat an (siehe Stichwort-Kasten). Bei der Nachstellung (Stalking) fängt das Strafmaß mit einer Geldstrafe an und geht bis zur dreijährigen Haftstrafe.

Dasselbe Strafmaß gilt, wenn ein Fall von Nötigung vorliegt. Bedrohung wird mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet.

Was kann man Betroffenen raten? 

Brettschneider: Raten kann man den Opfern, dass sie sich zivil- und strafrechtlich dagegen wehren. Beratungen gibt es bei Rechtsanwälten, den Gerichten und bei den Beratungsstellen und Opfereinrichtungen. Auch bei den Polizeibehörden gibt es Opferschutzbeauftragte, die den Betroffenen weiter helfen können.

Stichwort

Nachstellung liegt vor, wenn jemand einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich 1. seine räumliche Nähe aufsucht, 2. unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihm herzustellen versucht, 3. unter missbräuchlicher Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen für ihn aufgibt oder Dritte veranlasst, mit diesem Kontakt aufzunehmen, 4. ihn mit der Verletzung von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Gesundheit oder Freiheit seiner selbst oder einer ihm nahe stehenden Person bedroht oder 5. eine andere vergleichbare Handlung vornimmt und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt.

Nötigung liegt vor, wenn jemand einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt. Der Versuch ist strafbar.

Bedrohung liegt vor, wenn jemand einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht; oder wenn jemand wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, dass die Verwirklichung eines gegen ihn (oder nahestehende Person) Verbrechens bevorstehe. Bei der Bedrohung im strafrechtlichen Sinne ist die Androhung der Begehung eines Verbrechens Voraussetzung. Eine Straftat ist ein Verbrechen, wenn das Strafmaß mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe für die Tat vorsieht.

Von Judith Féaux de Lacroix

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Quelle: HNA

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