Stromnetze: Kommunen mit neuem Konzept zur Übernahme der Konzessionen

„Druck zeigt Wirkung“

Energieversorger aus der Luft: An der Druseltalstraße / Monteverdistraße in Kassel-Bad Wilhelmshöhe hat Eon Mitte seinen Sitz. Bis Ende 2011 laufen viele Konzessionsverträge der Kommunen mit Eon Mitte aus. Foto: Herzog/Charterflug Kassel, Knabe

Schwalm-Eder. Im Poker um die Konzessionsverträge für die Stromnetze in den Städten und Gemeinden zeichnet sich eine neue Entwicklung ab, die auch für den Schwalm-Eder-Kreis die Richtung vorgeben könnte.

Im Landkreis Kassel werden viele der 29 Städte und Gemeinden möglicherweise einen Kooperationsvertrag mit der Eon Mitte abschließen. Dort würden Gesellschaften gegründet, in denen die Kommunen 51 Prozent der Anteile halten und Eon Mitte 49 Prozent.

Viele Städte zeigen Interesse

Eine vergleichbare Lösung könnte auch für zehn Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis in Frage kommen – ob mit Eon Mitte oder einem anderen Stromversorger werde sich dann zeigen, sagt der Körler Bürgermeister Mario Gerhold. Er ist Sprecher der Energie-Kommission, in der anfangs 25 Kommunen aus dem Landkreis vertreten waren.

Einige Städte und Gemeinden – vor allem aus dem Südkreis – haben die Verträge mit Eon Mitte bereits verlängert. Acht Kommunen verhielten sich noch abwartend, erklärte Gerhold.

Das stärkste Interesse an einer Übernahme der Netze bestehe bei allen sieben Kommunen im Kreisteil Melsungen sowie in den Chattengau-Gemeinden Gudensberg, Edermünde und Niedenstein, erklärte Gerhold auf Anfrage der HNA. Diese zehn hatten eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung in Auftrag gegeben, die in dieser Woche Mandatsträgern der Parlamente vorgestellt wurde.

Bei dieser Untersuchung durch ein Büro aus Aachen habe sich gezeigt, dass eine Übernahme der Stromnetze lukrativ sein könnte. Das hänge letztlich vom Kaufpreis ab, der mit Eon Mitte ausgehandelt werden müsste. In dem Gutachten werde eine Marge genannt, die er aber nicht nennen könne, um möglichen Verhandlungen nicht vorzugreifen, erklärte Gerhold. Es handele sich um einen zweistelligen Millionen-Betrag.

„Wir würden uns wirtschaftlich auf sicherem Boden bewegen.“

Körles Bürgermeister Mario Gerhold

Ähnlich wie im Landkreis Kassel würden die Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis eine Gesellschaft gründen, die 51 Prozent an dem Netzbetrieb halten würde. 49 Prozent würde ein Versorger übernehmen. Diese Gesellschaft würde gemeinsam für alle das Netz übernehmen und an einen künftigen Partner verpachten. Der sei dann für den Betrieb zuständig.

Nach dem genannten Schlüssel würde auch der Kaufpreis aufgeteilt. Gerhold: „Das lohnt sich selbst dann, wenn ein Teil des Geldes am Kapitalmarkt aufgenommen werden muss. Wir würden uns wirtschaftlich auf sicherem Boden bewegen. Das hat das Gutachten gezeigt.“ Für die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hatten die zehn Kommunen 45 000 Euro investiert.

„Wir wollen auch mehr Einfluss nehmen.“

Mario Gerhold

In den Parlamenten der Städte und Gemeinden wird das Thema Konzessionsverträge sowie die Gründung einer Gesellschaft in den kommenden Monaten auf der Tagesordnung stehen. Sie müssten den Grundsatzbeschluss fassen.

Bei der Präsentation der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung habe er eine große Aufgeschlossenheit bei den Mandatsträgern der vertretenen zehn Kommunen festgestellt, sagte Gerhold.

Der Körler Bürgermeister geht davon aus, dass die Städte und Gemeinden neben der Konzessionsabgabe auch Einnahmen aus Pachten erzielen könnten. Die erwirtschafteten Gewinne sollten nicht in irgendwelche Konzernzentralen abfließen, sondern möglichst in der Region bleiben. Es gehe aber nicht nur um den finanziellen Aspekt, sagt Gerhold. „Wir wollen auch mehr Einfluss nehmen.“

Durch die Veränderungen in der Energiepolitik und die Erfahrungen der vergangenen Monate fühlt sich Gerhold bestätigt. „Der anhaltende Druck hat für Bewegung bei den Netzbetreibern gesorgt. Das haben wir zum Nutzen der Kommunen erreicht.“

Von Heinz Rohde und Frank Thonicke

Quelle: HNA

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