Zwangsprostitution: "Die Dunkelziffer ist hoch"

Prostitution wider Willen: Vor allem Frauen aus Osteuropa werden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Zwangsprostitution ist nicht nur in der Stadt Kassel, sondern auch auf dem Land ein Thema. Dies sagt die Sprecherin der Fachberatung Franka, die dem Diakonischen Werk angegliedert ist. Für die Sozialpädagogin ist klar: „Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“

Vor einigen Tagen wurde in Kassel eine Zwangsprostituierte aus den Fängen eines mutmaßlichen Zuhälterpaares befreit. Ein anderes Pärchen muss sich derzeit vor dem Landgericht Kassel verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Bulgarinnen nach Kassel verschleppt zu haben.

Das größte Problem sei, an diese Frauen heran zu kommen. Es wären in der Regel Ausländerinnen, die kein Deutsch könnten und eingeschüchtert seien. Meistens werde der Kontakt über andere Stellen ermöglicht. „Wir müssen da kulturelle Brücken schlagen.“ 42 Klientinnen hat die Fachberatung des Diakonischen Werkes, die auch für Wolfhagen zuständig ist, im vergangenen Jahr betreut. Sie erhalten unter anderem Informationen zu den verschiedenen Hilfsangeboten und werden über rechtliche Aspekte aufgeklärt.

Die Frauen kämen vorwiegend aus den neuen EU-Ländern, sowie aus Asien und Afrika. In jüngster Zeit würden auch Frauen mit leichten geistigen Behinderungen mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt.

Die Zwangsprostituierten würden oft alle paar Wochen an einen anderen Ort gebracht. „Dadurch werden Spuren verwischt“, sagt die Fachberaterin, die aufgrund der Brisanz des Themas anonym bleiben möchte. Dieses geschickte Vorgehen sorge dafür, dass Menschenhandel oft unentdeckt bleibe. So ist derzeit im Landkreis Kassel kein Fall von Zwangsprostitution bekannt, teilt Thomas Kostka von der Polizeipressestelle in Kassel mit.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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