Endstation für sperrigen Plunder

Durch enge Straßen: Unterwegs mit Müllwerkern in Wolfhagen

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Entsorgen öfters auch Teile, die auf den ersten Blick nicht nach Müll aussehen: Die Müllwerker Daniel Göbel (links) und René Illner. Beide Männer sind schon seit Jahren in ihrem Job tätig. Dabei finden sie immer wieder auch skurrile Dinge.

Wolfhagen. HNA-Volontärin Julia Henniges begleitete die Müllwerker Daniel Göbel und René Illner auf ihrer dreistündigen Tour durch das Wolfhager Stadtgebiet. 

Vielleicht spielten bis vor wenigen Wochen noch Kinder darin. Möglicherweise steht es aber auch schon seit Jahren im Keller und wird schon lange keines Blickes mehr gewürdigt. Für die Besitzer ist es jedenfalls nicht mehr brauchbar, das kunterbunte Spielzeughaus soll verschwinden, es hat ausgedient. Ein ähnliches Schicksal soll auch gleich das hellblaue Sofa ereilen.

Welche unterschiedlichen Geschichten hinter all den einst guten Stücken auch stecken mögen – sie spielen jetzt keine Rolle mehr. Denn sie landen alle im Sperrmüllwagen.

Gnadenlos werden sie dort zusammengepresst und zerteilt. „Man wundert sich schon öfters mal, was alles so weggeschmissen wird“, sagt Daniel Göbel. Er und sein Kollege René Illner sind mit dem Sperrmüllwagen im Wolfhager Stadtgebiet unterwegs. Pünktlich um 6.30 Uhr sind sie in Hofgeismar losgefahren. Dort befindet sich die Zentrale für die einzelnen Fahrzeuge der Abfallentsorgung Kreis Kassel. Nun heißt es also: Adressen suchen und den sperrigen Müll einsammeln.

Ein Navi brauchen die beiden Müllwerker dafür nicht. „Die Wege kennen wir bereits. Das macht die Erfahrung. Eine Karte haben wir aber immer dabei“, so Göbel.

Findet die Adressen meistens auch ohne Karte: Der Fahrer des Sperrmüllwagens Daniel Göbel.

Als die Fahrt zum ersten Ziel in der Berliner Straße schließlich beginnt, fällt schnell auf: so mancher Autofahrer ist ziemlich genervt vom Sperrmüllwagen. Kaum hat Göbel das Fahrzeug am Straßenrand geparkt, ertönt auch schon ein Hupen. Eine Frau kommt mit ihrem Auto nicht vorbei.

Und auch beim nächsten Stopp: Autofahrer reagieren wenig rücksichtsvoll, jede einzelne Sekunde, die sie warten müssen, scheint zu viel zu sein. „Heutzutage sind die Leute ständig im Stress. Und dann stehen wir auch noch mit unserem Wagen im Weg herum“, witzelt der 40-jährige Göbel. „Da muss man ruhig bleiben“, fügt Illner hinzu.

Neben genervten Autofahrern erleben die beiden auch immer wieder skurrile Dinge. Der ein oder andere versteckt Kleinteile in Säcken und Kisten, die gar nicht zum Sperrmüll zählen. Auch verschimmelte Gegenstände finden die Müllwerker immer mal wieder vor. Besonders eklig: ein Kühlschrank, in dem sich schon diverse Tiere sammelten, weil dieser noch mit lauter Lebensmitteln gefüllt war.

Anstrengend ist der Job als Müllwerker auf jeden Fall. Die Männer schleppen ständig schwere Gegenstände und sind immer in Bewegung. „Die Belastung merkt man schon. Aber daran gewöhnt man sich“, so Illner.

Was während der gesamten Fahrt außerdem auffällt: die Leichtigkeit mit der Daniel Göbel durch die Straßen Wolfhagens fährt. Den riesigen Müllwagen lenkt er gekonnt durch enge Gassen und fährt damit auch locker rückwärts einen Berg hoch.

Nach der dreistündigen Tour ist die Arbeit für die Müllwerker noch nicht beendet. Der Schrott im Wagen muss in Kassel abgeliefert werden und danach geht es auch schon weiter zum nächsten Ziel: Oberkaufungen.

Quelle: HNA

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