Redakteurin Antje Thon auf dem Weg nach Wolfhagen – Fahrt verlängert sich um anderthalb Stunden

Durch den Schnee an die Arbeit

Lange Fahrt zur Arbeit: Redakteurin Antje Thon benötigte für ihren Weg in die Redaktion der HNA Wolfhagen etwas mehr als zwei Stunden, sonst ist die Fahrt 30 Minuten lang. Foto: Ulbrich

Wolfhager Land. Weiß. Alles ist weiß. Bäume, Zäune, Dächer und Autos. Und die Straßen, besonders die Straßen. Eine halbe Stunde früher als sonst trete ich aus dem Haus, um in die Redaktion nach Wolfhagen zu fahren.

Ich fege den Schnee von den Scheiben und schleiche mit einer weißen, zehn Zentimeter hohen Haube auf dem Dach durchs Dorf. Das geht ja ganz gut. Der Nachbar schiebt den Schnee vom Bürgersteig auf die Straße. In ein paar Stunden wird der Unimog der Gemeinde den Schnee von dort wieder zurück auf den Gehweg schieben.

Alles ist anders

Ich wohne wenige Kilometer hinter der hessischen Grenze in Niedersachsen. An schneereichen Tagen tut sich ein frappierender Unterschied zwischen beiden Ländern auf: Während in Niedersachsen die Straßen von einer geschlossenen Schneedecke überzogen sind, ist in Hessen stets geräumt. Am Montagmorgen ist alles anders; der Schnee tanzt in fetten Flocken vom Himmel und türmt sich als amorphe Masse auf der Fahrbahn auf. Geräumt ist hier nichts.

In Niestetal zerschlägt sich mein Plan, über die Autobahnen 7 und 44 zügig und vor allem pünktlich nach Wolfhagen zu gelangen. Auf der A 7 geht gar nichts mehr. Die Blechkarawane steht. Von der Autobahnausfahrt tröpfeln die Fahrzeuge träge in den zweispurigen Verkehr, der stadteinwärts im Schneckentempo nach Kassel rollt. Im Radio heißt es, in Nordhessen herrscht Chaos. Eine Straßenbahn ist aus der Spur gesprungen, teilweise sind die Straßen verstopft. Tja, nur welche?

Eine Stunde bin ich schon unterwegs, als ich den Kreisel erreiche. Für die Strecke benötige ich sonst acht Minuten. Ich beschließe, übers Hohe Gras zu fahren und in die Wintermärchenlandschaft einzutauchen. Hinter Kassel, im Habichtswald, begegnet mir ein erstes kleines Räumfahrzeug – es zuckelt vor mir über die komplett schneebedeckte Straße, seltsamerweise hat es den Pflug oben. Nur wenige Pendler sind hier unterwegs, sie fahren allesamt vorsichtig. Wenige Kilometer vor Ehlen präsentiert sich der Winter von seiner romantischen Seite. Die Zweige der Fichten biegen sich unterm Schnee, Eichen flankieren die Straße in atemberaubend schöner Schwarz-Weiß-Optik. Stille liegt überm Land.

Mit Blaulicht zur A 44

In Ehlen bauscht sich die weiße Pracht an den Straßenrändern auf. Vor jedem dritten Haus wird Schnee geschoben. Die Feuerwehr eilt mit Blaulicht in Richtung Autobahn davon; wird sich wohl wieder ein Lastwagen quer gestellt haben.

Räder drehen durch

Ich beschließe, für ein Foto einen Abstecher nach Burghasungen zu machen. In dem steilen Dorf sind die Möglichkeiten für meinen Wagen begrenzt. An einem Berg geht nichts mehr, auf dem Schnee drehen die Räder durch. Also: Rückwärtsgang rein, wenden und über die halbwegs freie Bundesstraße nach Wolfhagen. Es ist elf Uhr, als ich die Redaktion nach gut zwei Stunden Fahrtzeit betrete. Und siehe da, ich bin nicht die Letzte. Ein Kollege kämpft noch immer mit dem Schnee.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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