Echo hallte über Wolfhagen hinweg

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Musikalische Neujahrsgrüße: Sieben Blechbläser des Posaunenchors Wolfhagen begrüßten hoch vom Turm der Stadtkirche musikalisch das neue Jahr. Andere Chormitglieder antworteten im Wechselspiel vom Teichberg.

Wolfhagen. Nostalgische Erinnerungen weckte das Szenario am Neujahrsmorgen in Wolfhagen: Über der Kernstadt schwebten musikalische Klänge, mit denen Blechbläser des Posaunenchors der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen hoch vom Turm der Stadtkirche das neue Jahr begrüßten.

So wurde an das Trompetenecho, das weltweit bekannteste Stück des Anfang Juli 2015 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Slavko Avsenik erinnert. Der Urvater des Original Oberkrainer Quintetts hatte 1955, also vor 60 Jahren, dieses Lied komponiert.

Denn wenn die Instrumentalisten auf der Kirchturmbalustrade ihre Liedstrophe gespielt hatten, erklangen gleich einem Echo vom Teichberg die selben Melodien zurück. Auf dem großen Balkon der dort wohnenden Familie Kepper hatten sich nämlich weitere Chormitglieder postiert, die im Wechselspiel den Turmbläsern mit der nächsten Strophe des angestimmten Liedes antworteten.

Für Bernhard Winter war das Neujahrsblasen vom 56 Meter hohen Turm der Stadtkirche nach der Bewältigung der 153 Stufen und Leitersprossen bis zur Außenbalustrade ein Goldjubiläum plus.

Für ihn, dessen Elternhaus, die Seilerei Winter am Kirchplatz direkt gegenüber der Stadtkirche liegt, war es nämlich die 51. musikalische Neujahrsbegrüßung. Fast ebenso oft hatte Bernhard Winter hoch über den Dächern seiner Heimatstadt am Heiligen Abend seine Mitbürger ebenfalls musikalische auf das Weihnachtsfest eingestimmt.

Bernhard Winter: „Für mich als auch für meine Mitspieler, die die Turmbesteigung nicht scheuen, ist es immer wieder etwas ganz Besonderes, neben der Freude an der Musik, den märchenhaften Blick über unsere historische Fachwerkstadt und das Umland genießen zu können.“

Schon als kleines Kind, als er noch kein Instrument spielen konnte, hatte Bernhard Winter seinen Vater begleitet, der als Mitbegründer des Posaunenchors sich aus Leidenschaft als ehrenamtlicher Turmbläser profilierte. „Auch in der schrecklichen Zeit der Nationalsozialisten, die das Turmblasen unter Strafe verboten hatten. Davon ließen sich mein Vater und seine Chorfreunde aber nicht abschrecken“, sagte Winter.

Denn während andere Ensemblemitglieder rund um die Stadtkirche „Wache schoben“, so hatte es ihm sein Vater einmal erzählt, schlichen sich eine Hand voll Unerschrockene auf den Turm und beglückten die Wolfhager mit einem Melodienstrauß geistlicher Lieder. Beim Eintreffen der örtlichen NS-Verantwortlichen waren jedoch alle Turmbläser ganz plötzlich „wie vom Erdboden verschluckt“ verschwunden.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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