Gudensberger Klärschlamm-Vererdungsanlage wirft nach sieben Jahren Ertrag ab

So edel kann Schlamm sein

Ein Bagger im Schilffeld: Nach sieben Jahren wird erstmals ein Feld der Vererdungsanlage geleert. Vor der Gudensberger Burgkulisse wird derzeit der Klärschlamm abtransportiert. Fotos: Zerhau

Gudensberg. Sieben Jahre hat es gedauert, jetzt wird die Gudensberger Klärschlamm-Vererdungsanlage erstmals geleert. 1200 Tonnen ökologisch einwandfreien Klärschlamm verspricht sich die Stadt. Der natürlich gereinigte Schlamm soll besonders wertvoll für die Landwirtschaft sein und außerdem spart die Stadt bei den Entwässerungskosten bis zu 20 000 Euro jährlich. Die Vererdung von Klärschlamm ist ein Novum im Landkreis. Es gebe zwar noch eine weitere Anlage, die aber später entstanden sei, sagt David Zerbes, Projektleiter bei der Stadt.

1200 Tonnen ist viel: Zum Abtransport müsste ein 20-Tonner 60 mal fahren. Daher wird die Entleerung des ersten Vererdungsbeetes auch mehrere Tage dauern. Der Klärschlamm werde dann in der Landwirtschaft als Dünger benutzt, sagt Mike Maurer Abwassermeister beim Abwasserverband Mittleres Edertal.

Wasser von 18 000 Menschen

In der Kläranlage in Gudensberg wird das Wasser von mehr als 18 000 Einwohnern aufbereitet. Der Klärschlamm wird komplett in der Anlage vererdet. So funktioniert die Anlage vereinfacht: • Der Klärschlamm wird von der Kläranlage in die vier Beete geleitet. Ein Beet ist etwa 40 Meter breit und 100 Meter lang. Das macht 4000 Quadratmeter, etwa halb so viel wie ein Fußballfeld misst. • In den Beeten wächst Schilf auf einer Filterkiesschicht. Der Klärschlamm hat bei der Einleitung einen Wasseranteil von 98 Prozent. • Das Wasser sickert durch die Filterschicht und gelangt so langsam zurück in die Kläranlage. Dort wird es erneut gereinigt und in den Wasserkreislauf eingeleitet. • In den Beeten sammelt sich der Schlamm. Es dauert bis zu sieben Jahre, bis ein Becken voll ist. Dies ist jetzt erstmals der Fall. • Durch die ständige Durchspülung (Regen, Wasserzulauf) werden wasserlösliche Schadstoffe ausgeschwemmt. Die ständige Verdunstung von Wasser ist ebenfalls positiv zu erwähnen. • Durch das natürliche Zusammenspiel von Sonne, Schilf und Mikroorganismen fällt die Restmenge deutlich geringer aus als bei rein technischen Verfahren wie Pressen oder Zentrifugen. „Das Ergebnis ist außerdem eine vergleichsweise kleine Menge Klärschlammerde mit hoher Qualität“, sagt David Zerbes. Die Laborergebnisse bestätigen: Die Erde enthält viel Stickstoff und pflanzenverfügbares Phosphat und unterschreitet alle Grenzwerte der Klärschlammverordnung deutlich. Die sehr guten Werte kämen auch zustande, weil es in Gudensberg keine kritischen Industrieabwässer gebe, sagt Bürgermeister Frank Börner. HINTERGRUND

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare