HNA-Interview

Markus Opitz aus Edermünde will Hombergs Bürgermeister werden

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Der Homberger Marktplatz ist eine Perle: Das sagt Markus Opitz, der für die FWG als Bürgermeisterkandidat ins Rennen geht.

Homberg. Noch fünf Monate, dann entscheidet sich, wer Hombergs nächster Bürgermeister wird. Gewählt wird am Sonntag, 25. Mai. Zur Wahl stellen will sich auch Markus Opitz (FWG). Im HNA-Interview spricht er darüber, was ihm an Homberg gefällt und auch über die Schwächen der Kreisstadt.

Herr Opitz, Sie wohnen mit ihrer Familie in Edermünde und sind dort auch für die Freien Wähler im Gemeindeparlament. In Edermünde wird auch ein neuer Bürgermeister gesucht. Warum kandidieren Sie nicht dort? 

Markus Opitz:  Die politische Unterstützung dazu hätte ich. Nicht nur aus meiner Fraktion. Aber mit 45 Jahren spielen auch ganz private Erwägungen eine wichtige Rolle. Der Tod meiner Mutter gehört da ganz sicher zu. Dann überlegt man schon, ob man sein Leben mit der Familie neu ausrichtet. Das haben wir getan. Meine Frau Monika arbeitet in Homberg und bereits seit meiner Kindheit habe ich eine große Zuneigung zu unserer Kreisstadt. Die Kandidatur ist schon länger an mich herangetragen worden. Das empfinde ich als eine sehr hohe Ehre und bin dankbar dafür, dass man mir das zutraut.

Was gefällt Ihnen denn besonders an Homberg? 

Markus Opitz: Die Stadt ist sehr schön, der Marktplatz zum Beispiel ist eine Perle. Und die Stadt hat auch viel zu bieten. Doch sie hat auch ein großes Problem: Es wird leider zu vieles schlecht geredet und das Gute nicht gesehen. Wie etwa die neue Verbesserung im öffentlichen Personennahverkehr. Seit dem 15. Dezember gibt es zwei neue Buslinien. Dass ein Bus aus Homberg Anschluss an die Regiotram hat, das gab es in den vergangenen 15 Jahren nicht. Dadurch gewinnt Homberg an Attraktivität. Doch das wird nicht gesehen. Und leider trauen sich auch viele Menschen nicht, ihre Ideen für Homberg anzusprechen.

Meinen Sie damit die Homberger im Allgemeinen oder auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung? 

Optiz: Beides. Aus Gesprächen weiß ich, dass Eigeninitiative zumindest nicht bei allen Mitarbeitern gern gesehen wird, obwohl sie sich gern einbringen würden. Dabei ist doch jeder für sich ein Experte auf seinem Gebiet. Sie wissen, was sie machen, weil die Verwaltungsarbeit ihr tägliches Brot ist. Das kann ich beurteilen, ich bin ja auch so einer. Ein Bürgermeister muss kein Ober-Guru sein, er muss die Menschen in seinem Umfeld ernst nehmen. Wenn ich Bürgermeister werde, dann möchte ich so viel Fachwissen wie möglich an meinen Tisch holen und auch die Betroffenen, um ein Spiegelbild der Problemlage zu bekommen. Alles andere wäre ein falscher Ansatz.

Ihr Konkurrent, Dr. Stefan Giebel, der Bürgermeisterkandidat der SPD, hat sich für den Rückkauf des Krankenhauses ausgesprochen. Was halten Sie davon? 

Opitz: Ich möchte erstmal klarstellen, dass wir keine Gegner sind. Wir sind zwei Bewerber um eine Stelle. Ich habe es ganz gerne friedlich. Wer Bürgermeister wird, entscheiden letztlich die Wähler.

Und zur eigentlichen Frage... 

Opitz: Von einem Rückkauf könnte man nur sprechen, wenn das Krankenhaus im Eigentum der Stadt Homberg gestanden hätte. Richtig ist, dass das Krankenhaus dem Schwalm-Eder-Kreis gehörte. Hier muss man die kommunalen Ebenen deutlich unterscheiden. Die Idee, das ehemalige Krankenhaus zu beleben, ist nicht verkehrt. Aber man kann derzeit keine seriösen Versprechungen machen, ob es jemals wieder ein Krankenhaus wird. Ich mache mir auch Gedanken über die Nutzung.

Haben Sie dafür schon eine Lösung? 

Opitz: Im medizinischen Bereich ist doch die Firma B. Braun der erste Ansprechpartner in der Region. Es wäre klug und richtig, mit dem größten Arbeitgeber im Landkreis darüber zu sprechen, ob und was in Homberg möglich ist.

Sollte die Stadt Geld dafür in die Hand nehmen? 

Opitz: Ich habe in 23 Jahren Arbeit in einer Verwaltung gelernt, dass man mit fremden Geld sehr behutsam umgehen muss. Es ist nicht der richtige Weg, wenn eine Stadt alle leerstehenden Gebäude aufkauft, für die sich kein anderer Käufer findet. Da könnte ich mir Sinnvolleres vorstellen.

Was denn? 

Opitz: Investoren suchen. Wenn ich Bürgermeister werde, dann steht ist die Suche nach Investoren an oberster Stelle.

Und mit ihnen als Bürgermeister würde die Stadt sich nicht am Kauf der Krone beteiligen? 

Opitz:  Nicht bedingungslos. Es gibt ein tiefgehendes Interesse, die Krone zu erhalten. Doch sollte das Gebäude nicht in das Eigentum der Stadt übergehen, da muss es andere Lösungen geben. Nicht nur die Stadt, auch Unternehmen können an Fördermittel kommen.

„Es müssten alle auf eine einsame Insel“

Sie waren in der vergangenen Stadtverordnetensitzung zu Gast. Dabei ging es auch um das ehemalige Kasernengelände. 

Opitz: Wenn es schon so ist, dass ein Stadtverordneter von einem Verkauf oder Kauf profitiert, dann muss das auch offen aufgezeigt werden. Damit alle wissen, worüber sie abstimmen. Offenbar ist zudem die menschliche Nähe in Homberg das entscheidende Moment. Vielleicht müssten alle mal für 14 Tage auf eine einsame Insel, um sich menschlich näher zu kommen. Danach würde man sich wahrscheinlich besser verstehen.

War noch mehr bedenklich? 

Opitz: Bedenklich nein, bemerkenswert – Ja! Wenn zum Beispiel für 19 Uhr eingeladen wird und dann vom Vorsteher verkündet wird, dass eine Fraktion ausrichten lässt, dass die Sitzung um 19.15 Uhr beginnt. Das hat schon einen bayerischen Anstrich.

Den ÖPNV haben Sie schon angesprochen. Zwei neue Buslinien können doch den kontinuierlichen Abbau nicht ausgleichen.

Opitz: Das stimmt. Ich kann auch nicht verstehen, wie man eine Kreisstadt bei der Anbindung so sehr zurückfahren konnte. Ich hätte da längst massiven Widerstand geleistet. Auch bin ich dafür, dass wieder ein Stadtbus fährt und die Stadtteile dürfen den Anschluss an die Kernstadt nicht verlieren. Das könnte mit einem Kleinbus klappen, der über Werbeanzeigen finanziert wird und mit freiwilligen Fahrern. Die Werbeanzeigen würde ich auf Selbstkostenbasis mit der Stadtverwaltung akquirieren. Sonst wird es zu teuer für unsere Gewerbetreibenden.

Homberg ist unter dem Rettungsschirm. War das die richtige Entscheidung? 

Opitz: Der Rettungsschirm hat Positives, aber dafür wird die kommunale Selbstverwaltung enorm beschnitten. Das Land kann bestimmen, wo gespart wird. Das müssen die Bürger wissen und man muss auch die Gründe nennen. Dabei geht es auch wieder um Offenheit. Die Bürger könnten auch selbst Vorschläge machen, da könnten Ideen herauskommen, auf die die Verwaltung und die politisch Verantwortlichen nicht so schnell kommen. Unter den Rettungsschirm zu gehen, war für Homberg in der jetzigen Situation unausweichlich – es war die richtige Entscheidung.

Sie sprechen oft von Offenheit und davon, dass die Bürger besser mitgenommen werden müssen. Wie kann das funktionieren?

Opitz: Es geht nicht darum zu regieren, sondern auf Augenhöhe mit den Menschen zu arbeiten. Es wird schwierig zu vermitteln sein, dass da jetzt einer kommt, der es ehrlich meint. Das weiß man ganz sicher erst, wenn man mich gewählt hat. Aber ich werde mich an meinen Aussagen messen lassen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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