Geschützte Tierart hat sich bei Edermünde angesiedelt

Stört ein neuer Radweg die Biber an der Eder?

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Kommen sie sich ins Gehege? Der neue Radweg führt nach Ansicht von Klaus Gerlach aus Haldorf mitten durch ein Biber-Revier an der Eder (rot schraffiert). Bislang kommen kaum Menschen an diese entlegenen Stellen. Mit Radweg sähe es anders aus.

Edermünde. Der geplante Radweg von Wolfershausen nach Grifte entlang der Eder stört eventuell die Biber, die sich dort angesiedelt haben. Das befürchtet Klaus Gerlach aus Haldorf.

Er ist beschlossen und soll auch gebaut werden: der Radweg von Wolfershausen nach Grifte entlang der Eder, die mit einer neuen Radler-Brücke überquert werden soll. Damit wollen die Kommunen Felsberg und Edermünde für den Lückenschluss zwischen dem Eder- und dem Fulda-Radweg sorgen.

Doch könnte dieser Radweg, den viele Menschen, auch mit ihren Hunden, frequentieren würden, eine streng geschützte Tierart gefährden? Das befürchtet und kritisiert Klaus Gerlach aus Haldorf.

Er informierte die Gemeindeverwaltung darüber, dass genau an der Stelle der geplanten Brücke des Ederradweges sich Biber angesiedelt haben. Diese Tierart sei laut europäischer FFH-Richtlinie streng geschützt, schreibt Gerlach.

Zudem weist er darauf hin, dass sich aufgrund bislang fehlender Erschließung und weniger Menschen sowohl in und an der Eder als auch am nahe gelegenen Baggersee seit Jahrzehnten eine eigene Tier- und Pflanzenwelt entwickeln konnte.

„Die touristische Erschließung stellt einen massiven Eingriff in die heimische Natur dar“, schreibt der Haldorfer. Es sei zudem abzusehen, dass Eder und Baggersee trotz Verbots als Bademöglichkeit genutzt werden, wenn erst einmal geteerte Wege zur Verfügung stünden. Gerlach befürchtet außerdem heimliche Grillpartys am Baggersee und nächtliche Motorradrennen auf dem neuen Weg.

Kritisch sieht er den Beschluss, schon jetzt eine Planung des Radweges für 20.000 Euro in Auftrag zu geben. Es stehe ja noch gar nicht fest, ob die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis dem Projekt zustimmen werde.

Schließlich verweist Gerlach darauf, dass durch den neuen Radweg der Ortsteil Haldorf abgekoppelt werde: Wer den Ederradweg nutze, fahre an Haldorf und seinen Gastronomiebetrieben künftig vorbei. Dadurch entgingen der Gemeinde Gewerbesteuern. Heute müsse man von Grifte über Haldorf nach Wolfershausen fahren.

Eindeutige Spuren von Bibern: Der Nager, der sich auch im Landkreis immer weiter ausbreitet, hat an den Bäumen im Bereich der Eder genagt. Ob es dort Ansiedlungen gibt, ist ungewiss.

Das sagt der Bürgermeister

„Wir wissen, dass es an der Eder Spuren von Bibern gibt“, sagte Edermündes Bürgermeister Thomas Petrich auf HNA-Anfrage. Doch sehe er darin kein Problem. Im Planungsverfahren für den Radwegebau müssten die Argumente abgewogen werden, alle Träger öffentlicher Belange, so auch die Naturschutzbehörde würden angehört.

„Ja, der Radweg ist ein Eingriff in die Natur, aber wir müssen uns fragen: Ist es uns das wert?“ sagte Petrich. Ansonsten meinte er: „Es ist doch schön, dass die Biber wieder da sind.“

Fragen an die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis

Kann man feststellen, dass sich die Biber im Landkreis ausbreiten?

Seit Jahren wurden Biberbeobachtungen beziehungsweise Fraßspuren von Bibern gemeldet. Zunächst gab es nur einzelne Beobachtungen. Inzwischen wurden aber Reviere an Fulda, Schwalm und Eder nachgewiesen.

Wenn ja, siedeln sie sich auch an oder wandern sie nur durch?

Die Besiedlung erfolgt über die großen Flussläufe ausgehend vom Main-Kinzig Kreis, wo derzeit noch die größten Populationen in Hessen leben. Treffen die Tiere auf geeignete Reviere, kann mit einer Ansiedlung gerechnet werden.

Gibt es Biberansiedlungen speziell an der Eder zwischen Wolfershausen und Haldorf?

Spuren wurden dort gesichtet. Im Bereich der Eder bei Haldorf/Grifte existiert ein Revier. Dies ist seit zwei Jahren bekannt.

In dem Bereich soll ein Radweg gebaut werden. Würde das durch eine Biberpopulation an der Eder zum Problem?

Grundsätzlich sind bei allen Eingriffen in Natur und Landschaft die Auswirkungen der Eingriffe zu beurteilen.

Im konkreten Fall der angestoßenen Planung eines Radweges in den Gemarkungen Felsberg-Wolfershausen und Edermünde-Haldorf werden selbstverständlich alle naturschutzrechtlichen Belange geprüft. Eine weitere Umsetzung des Projektes muss dann der Prüfung und Beurteilung standhalten und alle gesetzlichen Bestimmungen erfüllen.

Sind Bereiche, in denen Biber aktiv sind, besonders geschützt?

Der Biber gehört zu den besonders und streng geschützten Tierarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Er gehört zu den „Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.“ Außerdem fällt er unter den europaweiten spezielle Artenschutz, auch außerhalb der FFH-Gebiete. Der Schutz dieser Arten muss bei jeglichem Eingriff in Natur und Landschaft beachtet werden. Der Erhaltungszustand der lokalen Population darf sich nicht verschlechtern.

Quelle: HNA

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