Sparsamer Einsatz des Aromas

Weihrauch in der Naumburger Stadtpfarrkirche: Edler Duft aus dem Fass

Pusten hilft: Georg Smolarczyk, Küster der Naumburger Stadtpfarrkirche, hilft dem Weihrauch durch das Anfächeln der Glut etwas auf die Sprünge. Fotos: Norbert Müller

In unserer Adventsserie widmen wir uns täglich einem Stichwort aus der Weihnachtsgeschichte. Heute geht es um Weihrauch. In der Naumburger Stadtpfarrkirche weiß man, damit umzugehen.

Naumburg. Ein Hauch dieses überirdischen Dufts liegt in der Luft, dieses katholische Aroma, das jeden Winkel der Naumburger Stadtpfarrkirche Sankt Crescentius berührt: Weihrauch.

Allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen die Hochämter im Naumburger Gotteshaus in weihrauchgeschwängerter Atmosphäre zelebriert wurden, als man sich inmitten der Schwaden des edlen Geruchs leicht benebelt den Engeln ein Stückchen näher fühlte.

Weihrauch wird heute sparsam eingesetzt. Sicher, bei Hochfesten wird das Schleuderfass, wie das Rauchgefäß von den Messdienern auch gern genannt wird, angeheizt, das Schiffchen mit den groben Harzkörnern gefüllt, die dann mit kleinem Schäufelchen aufgelegt werden, um auf roter Glut wohlriechend zu verdampfen. Aber Stadtpfarrer Johannes Kowal, ein Mann von robuster Statur, verträgt den kostbaren Rauch nicht, ihm bleibt – ganz unkatholisch – vom heiligen Qualm die Luft weg.

Bei seinen Vorgängern war das anders. Geistlicher Rat Ulrich Trzeciok, der das Amt des Naumburger Stadtpfarrers über 30 Jahre ausfüllte, ist ein glühender Verehrer des orientalischen Harzes, setzte den Weihrauch gerne ein und hätte oft genug vielleicht gern noch ein Schippchen mehr auf die glühende Kohle rieseln lassen, wenn er sich nicht dem Gebot der Nächstenliebe folgend Zurückhaltung auferlegt hätte. Denn: Unter den Gottesdienstbesuchern habe es immer eine Handvoll unleidlich Reagierender gegeben. „Die husteten schon, wenn sie das Rauchfass nur sahen“, sagt der Geistliche.

Zur Ehre Gottes

Generationen von Messdienern haben das an feinen Ketten hängende silberne Fässchen geschwungen, damit die Glut ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde und bereit war, für die nächste Portion Harzkrümel – auf dass der Pfarrer zur Ehre Gottes den Altar beräucherte. Man muss schon in der Hierarchie der Ministranten ganz oben stehen, um mit den Räucherutensilien während der Messe betraut zu werden.

Georg Smolarczyk war einst in Kindheit und Jugend Dienender am Altar und ein Virtuose im Umgang mit dem Fässchen. Heute ist er der Küster von Sankt Crescentius und auch dafür zuständig, den jungen Messdienern den richtigen Umgang zu erklären. Er ist es auch, der zum rechten Zeitpunkt die Kohle anbrennt, damit sie pünktlich zum Gottesdienst auf Betriebstemperatur ist und der Brennstoff bis zum finalen Segen durchhält.

Elegant aus dem Handgelenk

Smolarczyk zeigt, wie es geht, hält eine Flamme an ein Stück Kohle, die, dank eingearbeiteter Zündhilfen, schnell kleine Funken sprüht. Rein damit in die glänzende Kugel, und dann bringt der 56-Jährige die Kohle pustend fast zur Weißglut. Ein paar Gramm aus der alten Kaffeedose, die noch sein legendärer Vorgänger, der Küster-Schorsche, mit Harz der Duftnote „Johannes“ gefüllt hat. Und dann schwingt der Mesner das Rauchfass elegant aus dem Handgelenk heraus, nimmt Fahrt auf, bis das Kirchenschiff in einer weißen Woge des himmlischen Wohlgeruchs verschwimmt.

Quelle: HNA

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