Schwieriger Fall

Skurriles Treiben auf der Straße: Mann hält Nachbarschaft in Atem

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In Egelsbach kommt es auf der Straße zu kuriosen Szenen. Die Nachbarn sind genervt.

Skurriles Treiben auf der Straße in Egelsbach: Ein Mann hält die Nachbarschaft seit Wochen in Atem.

Egelsbach – Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wenn aber eine verwirrt wirkende Person die Nachbarschaft in Atem hält, erschallt früher oder später der Ruf nach der Obrigkeit. Wann ist der Punkt erreicht, an dem die Polizei und/oder die kommunale Ordnungsbehörde einschreiten und zum Schutz der rundum genervten Anwohner dem Spuk ein Ende bereiten? Muss wahrhaftig erst Schlimmes passieren, ehe das geschieht?

Genau jene Fragen beschäftigen seit Wochen und Monaten Menschen an der Langener Straße in Egelsbach. Sie werden quasi tagtäglich – gerne auch mal spätabends oder nachts – Zeugen eines Spektakels, das ein Einzelner auf dem Bürgersteig beziehungsweise auf der Straße abzieht.

Skurriles Treiben in Egelsbach: Plötzlich steht Badewanne auf Straße

„Vor anderthalb Wochen stand eine Badewanne auf der Straße, ständig räumt er Möbelstücke und irgendwelchen Krimskrams von seinem Grundstück auf den Gehweg und die Straße“, schildert eine Anwohnerin das skurrile Treiben des Nachbarn. Die Identität des Mannes tut an dieser Stelle nichts zur Sache – siehe erster Satz. Ohnehin ist er im Ort weit über seine Straße hinaus bekannt, um nicht zu sagen berüchtigt.

„Er ist laut, schrill, reagiert aggressiv auf Ansprache, sodass man ihm lieber nicht zu nahe kommt, und schert sich um rein gar nix“, fährt die Nachbarin fort. Großen Wert legt die Frau darauf, unerkannt zu bleiben. Damit steht sie nicht alleine da. Alle Nachbarn halten sich zurück, sehen von direkter Konfrontation ab. Eine „ganz schlechte Idee“ sei, das Treiben in Fotos oder Videos festhalten zu wollen, so die Frau.

Kürzlich gedrehtes Video zeigt skurriles Treiben in Egelsbach

Trotzdem sind Aufnahmen entstanden – und der Redaktion vorgelegt worden. Ein erst kürzlich gedrehtes Video zeigt ein Sammelsurium von Möbeln und Gegenständen am Straßenrand, der Mann selbst tanzt über die Straße, in Unterhose, an einem Fuß ein Socken und eingehüllt in eine Decke. Vorbei radelnden Kindern ruft er zu, sie sollten gefälligst die Helme abnehmen, den „Kopf befreien“. Harter Schwenk. Nahaufnahme: Am Straßenrand liegt eine Gasflasche in der Sonne.

Das Szenario, das die Nachbarschaft er- und durchlebt, ist damit hinlänglich geschildert. Was tun Polizei und Behörden? Sie sind informiert, waren mehr als einmal vor Ort. „Wann immer die Kollegen alarmiert wurden, ist eine Streife zur Langener Straße gefahren; die Beamten haben Anordnungen und Aufforderungen ausgesprochen – und das gilt auch weiterhin uneingeschränkt“, betont Polizei-Pressesprecherin Andrea Ackermann. Und: „Alle Einsätze sind dokumentiert.“

Bürgermeister Egelsbach nimmt Sorgen der Anwohner ernst 

„Es hat wiederholt gemeinsame Einsätze mit der Polizei vor Ort gegeben und entsprechende Maßnahmen sind eingeleitet worden“, stellt Bürgermeister Tobias Wilbrand ebenso fest. „Wir nehmen die Sorgen der Anwohner ernst und stehen deshalb mit allen zuständigen übergeordneten Behörden im Kontakt, um eine für alle Beteiligten tragbare Lösung zu erarbeiten.“

Damit ist offiziell alles gesagt. Jeder weiteren Einlassung schieben Datenschutz und Grundgesetz einen Riegel vor – und das ist gut und richtig. Siehe erster Satz.

Skurriles Treiben in Egelsbach: Nachbarn müssen Geduld bewahren

Zwischen den Zeilen freilich lassen die offiziellen Kommentare die Marschroute erkennen: Ein Mensch, der Hilfe benötigt, soll diese bekommen – mit allen Konsequenzen. Etwa, indem man ihm einen Betreuer oder auch Vormund zur Seite gestellt und psychiatrische Behandlung anordnet.

So etwas passiert nicht von heute auf morgen. Die überstrapazierte Geduld der Nachbarn (die selbstverständlich ebenfalls Rechte haben ...) dürfte vor diesem Hintergrund noch geraume Zeit gefragt sein. Sie sind Adressaten eines – fraglos schrillen – Hilferufs.

VON HOLGER BORCHARD

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