Märkte werden rohes Gemüse nicht los – Größere Lieferungen für bedürftige Menschen

Ehec: Mehr Salat für örtliche Tafeln

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In den Tafeln dominiert das Grün: Die Tafel-Mitarbeiterinnen (von links) Annemarie Matthias und Ursula von Urff können ihren Kunden aktuell viel frischen und abgepackten Salat anbieten.

Schwalm-Eder. 100 Köpfe frischer Blattsalat: Solche Lieferungen bekommen die Tafeln in der Region nur ganz selten. Vergangenen Donnerstag kamen diese aber in den Ausgabestationen in Fritzlar und Schwalmstadt an. Ihre Herkunft: Spanien und Norddeutschland.

Die betroffenen Tafelleitungen sehen einen Zusammenhang zum Ausbruch des Darmkeims Ehec. Die Märkte blieben offenbar auf ihre Ware sitzen und würden diese an die Tafeln weitergeben. Einige Tafeln üben Kritik an diesem Vorgehen.

„Wir haben zehn Kisten mit Eisbergsalat aus Spanien bekommen“, berichtet Erika Unger, Leiterin der Schwalmstädter Tafel. Richtig feste, frische Köpfe seien es gewesen – so etwas werde eigentlich nie von den Märkten aussortiert. Auch abgepackter Salat stapelt sich in ihrem Laden höher als sonst.

Die Ware werde von den bedürftigen Kunden gut angenommen. „Wir stellen es aber natürlich jedem frei, ob er Salat mitnimmt. Jeder Kunde wird auf die Hygienemaßnahmen im Umgang mit rohem Gemüse hingewiesen“, sagt Unger. Eine entsprechende Empfehlung habe der Bundesverband der Tafeln gegeben.

100 frische Salatköpfe

100 Salatköpfe aus Norddeutschland kamen bei der Fritzlarer Tafel an. „Die haben wir direkt entsorgt. Norddeutschland gilt schließlich als Schwerpunkt von Ehec“, sagt deren Leiterin Irene Meyer-Stoll. Auch Gurken seien geliefert worden – allerdings ohne Herkunftsangabe. Diese seien an die Kunden mit dem Hinweis ausgegeben worden, diese nicht roh zu verzehren. Einen klare Anweisung, ob Salat-Lieferungen entsorgt oder ausgegeben werden sollen, gebe es vom Bundesverband der Tafeln nicht. „Da sind wir noch etwas ratlos“, gibt Meyer-Stoll zu. Sie geht davon aus, dass auch in den kommenden Tagen mehr Ware von den Gemüsetheken der Märkte bei den Tafeln landen werde.

Unsicher im Umgang

Peter Laukner von der Tafel in Homberg hat bislang nicht mehr Gemüse und Obst angeboten bekommen als üblich. Allerdings sei man kurze Zeit unentschlossen gewesen, ob man solche Lebensmittel überhaupt ausgebe. Letztendlich habe sich die Tafel dafür entschieden. Zudem wurden Schilder angebracht, dass Salat gründlich gewaschen werden muss.

In der Melsunger Tafel habe sich das Salat-Angebot „nicht eklatant vergrößert“, sagt Barbara Schäfer, die für die dortige Lebensmittelausgabe zuständig ist. „Es wäre schon hart an der Grenze, wenn wir die Ware bekämen, die Kunden im Supermarkt ablehnen.“ Schäfer geht davon aus, dass die Märkte davor zurückschrecken, bedenkliche Lebensmittel an die Tafeln zu liefern.

Quelle: HNA

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