Viele Betroffene nehmen Hilfsfonds nicht in Anspruch

Ehemalige Heimkinder wollen anonym bleiben

Wolfhager Land. Seit diesem Jahr gibt es einen Fonds für Heimkinder, die zwischen den Jahren 1949 und 1975 in deutschen Heimen untergebracht waren.

Dieser soll ehemalige Heimkinder, die unter seelischen und körperlichen Misshandlungen, sexuellen Übergriffen, Zwangsarbeit und Körperstrafen zu leiden hatten, unterstützen.

Beim Versorgungsamt Kassel, das für die Bearbeitung der Anträge im Bereich Nordhessen zuständig ist, sind bis zum Mai 51 Anträge eingegangen. Hessenweit waren es nach Auskunft der Amtsleiterin Martina Felmeden-Dreyer 180 Anträge. Es könnten deutlich mehr sein. Doch viele Betroffene kämen nicht, weil sie die bürokratische und persönliche Hürde nicht überwinden wollten oder könnten. Zumal mit der Fondsinanspruchnahme eine Verzichtserklärung für alle weiteren Ansprüche zu unterzeichnen sei. Manche hätten sich als ehemalige Heimkinder nicht mal ihren Familien gegenüber geoutet und wollten in der Anonymität bleiben. „Einige haben von ihrem Leid erzählt und sind wieder gegangen, ohne einen Antrag zu stellen“, so Felmeden-Dreyer.

Einen weiteren Grund für die Zurückhaltung sieht Sabine Scherer, Amtsleiterin des Kreis-Jugendamtes, in der zeitintensiven Beweispflicht der Betroffenen. Zunächst einmal müssten sich diese Menschen auf Spurensuche begeben. Das dies sehr aufwändig sein kann, zeige sich derzeit an drei Fällen aus dem Landkreis. Drei ehemalige Heimkinder hätten alte Akten angefragt. „Wir konnten nicht helfen, weil die Heimakten, bis zum Jahr 2000 beim Landesjugendamt archiviert wurden“, so Scherer. Unterlagen zu Adoptionen hätten nur eine Aufbewahrungsfrist von 50 Jahren und seien deshalb zum Teil vernichtet.

Nach eigenen Angaben waren die Betroffenen in drei verschiedenen Heimen im Landkreis untergebracht. Zwei davon seien inzwischen geschlossen. Namen möchte Scherer derzeit nicht nennen. ZUM TAGE

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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