Volker G. sagt erstmals im Prozess aus

Brände der Weißenthalsmühle: Eigentümer leugnet alles

Der letzte Brand: Im Januar vergangenen Jahres brannte ein Wirtschaftsgebäude an der Weißenthalsmühle – da zahlte die Versicherung schon nichts mehr. Foto: Archiv

Niedenstein/Kassel. Volker G. weist alles von sich. Alles, was ihm die Anklageschrift zur Brandserie Weißenthalsmühle vorwirft. Und alles, was jener Mann gegen ihn vorgebracht hat, der wenige Plätze neben ihm auf der Anklagebank des Landgerichts sitzt.

Dreieinhalb Prozesstage hat G. dem 55-Jährigen aus Hofgeismar zuhören müssen. Am Dienstagnachmittag ist er selbst dran mit Reden.

Der 48-Jährige beschreibt sich als anständigen Menschen. Jemand der Handwerker-Rechnungen rechtzeitig bezahlt, selbst wenn ihn die Versicherung auf Geld warten lässt. Er erklärt, trotz vieler Investitionen finanziell gut da zu stehen. Und er betont: „Meine kriminelle Energie beschränkt sich auf mal falsch Parken.“

Lesen Sie auch:

- Weißenthalsmühle: Vorwürfe gegen Polizisten haltlos

- Weißenthalsmühle: Angeklagter erhebt schwere Vorwürfe

Die Anklage wirft G. vor, einen ersten Brand auf seinem Anwesen selbst gelegt zu haben – mit Hilfe eines Zeitverzögerungsmechanismus. Seine ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin habe Bescheid gewusst. Mit weiteren Brandlegungen habe er den 55-Jährigen beauftragt. Um Versicherungsbetrug sei es gegangen. Der 55-Jährige sagt, aus gleichem Grund habe er auch einen Wohnwagen für G. verschwinden lassen.

G. verweist diese Aussagen ins Reich der Fantasie. Er erklärte sich zugleich für unfähig, einen Brand so zu legen, wie es in der Anklage steht: Technik sei nichts für ihn. Als Richter Wolf Winter sich wundert, wie er dann mehrere Wohnung habe renovieren können, präzisiert G. sein Unvermögen auf Elektronisches. Er könne mauern, putzen, Estrich legen – eine Steckdose anschließen. Dann höre es auf. „Ich wüsste nicht, wie ein Zeitverzögerungs-Mechanismus funktioniert und angewandt wird“, erklärt er.

Am Vormittag hatte das Gericht nochmals dem 55-Jährigen auf den Zahn gefühlt. So sehr, dass der Beklagte, wenn man versuche, ihn in die Enge zu treiben, löse das eine ungeheure Verunsicherung aus – so dass er Dinge verwechsele. Das aber bezog sich auf Details – nicht auf seine Aussage, G. habe ihn beauftragt.

Ohne Auftrag würde aus einem weggeschafften Campingwagen eine geklauter. Aus einer Brandstiftung auf Wunsch eine eigenmächtige. Ob er eine Idee habe, warum ihm der 55-Jährige all das antun und dann auch noch versuchen könnte, ihn in die Sache reinzuziehen, will das Gericht von G. wissen. Er wisse keine Antwort, sagt der: „Die Frage kann wahrscheinlich nur sein Psychologe beantworten.“ Am Donnerstag will das Gericht Zeugen hören.

Von Katja Schmidt

Video aus dem Archiv: Erneut Brand an der Weißenthalsmühle bei Kirchberg

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare