Familienhebamme Ernie Hewig hilft, wenn Eltern Unterstützung brauchen

Familienhebamme Ernie Hewig: „Ein Kind braucht Nähe“

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Nicht nur als Familienhebamme aktiv: Ernie Hewig mit den Teilnehmerinnen eines Geburtsvorbereitungskurses in ihrer Praxis. Von vorne rechts im Uhrzeigersinn: Ernie Hewig, Iwanka Liedlich, Yvonne Siegner, Meike Winzenburg, Claudia Jakob, Jennifer Daum.

Melsungen. „Einem Kind ist es egal, ob die Mutter Geld hat oder nicht“, sagt Ernie Hewig. „Viel wichtiger ist es, dem Kind Nähe zu geben und das kostet nichts.“ Die 54-Jährige ist Familienhebamme in Melsungen.  

Die Hebamme betreut Familien und Mütter, die beim Mutter werden und Mutter sein mehr Unterstützung brauchen, als andere Frauen und Familien in dieser Situation. Die Gründe dafür, sagt Hewig, sind vielfältig. Mal gibt es Drogen- oder Alkoholprobleme, mal kommen die Familien aus sozialen Brennpunkten, mal sind es ausländische Familien, die Probleme mit der Sprache haben, mal Mädchen, die im Teenageralter ungewollt schwanger werden.

Freut sich über die Unterstützung: Sharon Obakpolor mit Töchterchen Melody.

Hewig begleitet die Frauen oft bereits in der Schwangerschaft. Versucht ihnen die Angst vor der Geburt zu nehmen, macht zum Beispiel Geburtsvorbereitung und Babymassage – auch zu Hause bei den Müttern, wenn die keine Möglichkeit haben, einen Kurs zu besuchen. Gibt Tipps, wo sie eventuell fachliche und finanzielle Hilfe finden, oder begleitet sie, wenn es sein muss, auch mal bei einem Behördengang.

„Sie hilft mir aber nicht nur mit den Kindern“, sagt Sharon Obakpolor aus Melsungen. „Ernie gibt mir auch Ratschläge für meine Zukunft.“ Die 22-Jährige hat bereits zwei Kinder, den zwei Jahre alten Praise und die 20 Wochen alte Melody. Die junge Frau, die aus Nigeria stammt, und seit neun Jahren in Deutschland lebt, hat einen Realschulabschluss und interessiert sich für eine Ausbildung im Bereich Design.

Sie lebt in Melsungen, ihr Partner in Kassel, wo auch die 22-Jährige langfristig hinziehen möchte.

„Ich habe dir ein Tragetuch mitgebracht“, sagt Hewig. „Schau einfach, ob du damit zurecht kommst. Wenn nicht, können wir es aber auch nochmal gemeinsam probieren.“

Ernie Hewig hat Sharon Obakpolor schon nach der Geburt von Praise betreut, und steht ihr nun auch bei der kleinen Melody ein Jahr lang mit Rat und Tat zur Seite. Finanziert wird die Arbeit der Familienhebamme, wenn die Mütter im Altkreis Melsungen leben, vom Förderverein für ein zukunftsfähiges Melsungen.

Sechs Fälle betreut die Mutter einer Tochter zurzeit für den Förderverein. Hewig, die seit 1993 als Hebamme arbeitet, ist ausgebildete Krankenschwester. Nach ihrer Ausbildung in Eschwege war sie für viele Jahre im Ausland unter anderem für drei Jahre in Äthiopien, wo sie auch ihren Mann kennen gelernt hat.

Während dieser Zeit, erzählt Hewig, sei auch die Idee entstanden, Hebamme zu werden. „Ich habe während meiner Zeit in Äthiopien ungefähr 500 Kinder auf die Welt geholt, und mir gedacht, dass Hebamme doch ein sehr schöner Beruf ist.“

Der Alltag einer Krankenschwester habe viel mit Tod und Leid zu tun. Und so hat die 54-Jährige 1990 ihre Hebammenausbildung in London begonnen und sie 1993 in Marburg beendet. Seitdem ist sie selbstständig und betreibt zurzeit mit zwei anderen Hebammen eine Gemeinschaftspraxis in Melsungen.

Von Barbara Kamisli

Quelle: HNA

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