Dr. Georg Maraun aus Leckringhausen ist seit 71 Jahren in der SPD

Ein Leben für soziale Ideen

Leckringhausen. Den 90-jährigen Dr. Georg Maraun aus Leckringhausen erwartet in den ersten Februartagen eine recht seltene Ehrung. Der Jurist wird für seine lange Mitgliedschaft in der SPD gewürdigt. Seit 71 Jahren gehört er der Partei an.

Es waren vor allem die 1940er-Jahre, die Dr. Georg Marauns Leben geprägt haben. In jener Dekade wurde er als Soldat im Krieg zweimal verwundet und entkam dem Tod nur knapp. Als Student der Rechtswissenschaften eröffnete sich ihm die Chance, den Entstehungsprozess des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland hautnah zu begleiten. Damals lernte er alle führenden Menschen kennen, die in der deutschen Politik eine Stimme hatten. Und – er trat Anfang 1946 in die SPD ein.

Der Jurist, der inzwischen 90-jährig in Leckringhausen wohnt, habe niemals Ambitionen gehabt, sich von den Sozialdemokraten abzuwenden, obwohl er nicht immer mit allem einverstanden war – gerade in der letzten Zeit. Seiner Meinung nach müsse sich die SPD viel intensiver um Menschen kümmern, denen es schlecht gehe und deren Interessen zu wenig berücksichtigt würden: Alte Menschen, Kranke, Behinderte, aber auch Junge. In der kommenden Woche wird das SPD-Urgestein von den Wolfhager Genossen für 71 Jahre Mitgliedschaft in der Partei geehrt. „Das Ereignis ist so selten, dass sie mich im vergangenen Jahr, als ich 70 Jahre in der SPD war, sogar vergessen haben“, sagt Maraun und lacht.

Als er 1945 aus dem Krieg heimkehrte, entdeckte er an sich die politische Seite. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 hatte der junge Maraun mit einer Schussverletzung im Bein, die er sich wenige Tage zuvor zugezogen hatte, die Elbe durchschwommen und sich von der russischen in die amerikanische Besatzungszone begeben. Nach einem Lazarettaufenthalt landete er Wochen später in Goslar, dort wurde er auf das Programm der SPD aufmerksam. Dessen sozialen Inhalte hatten ihn gepackt.

In den folgenden Jahren schlug Dr. Georg Maraun eine Entwicklung ein, die ihm eine Bilderbuchkarriere einbrachte: Er machte seinen Abschluss in Jura. In seiner Promotion setzte er sich mit der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen auseinander, einem Thema, das er Elisabeth Selbert zu verdanken hat, die er in Bonn während der Arbeit am Grundgesetz kennen und schätzen gelernt hatte.

Hessens jüngste Landrat

Mit 34 Jahren wurde er im Landkreis Gießen Hessens jüngster Landrat. In Berlin baute er die Stiftung Warentest mit auf, Ende der 1960er-Jahre wechselt er nach Nordhessen. Er arbeitete beim Landeswohlfahrtsverband und setzte sich für Menschen mit Behinderungen ein. Zunächst als Anwalt, später als Notar machte er sich in Wolfhagen selbstständig und mischte als Sozialdemokrat in Spitzenämtern der Kommunalpolitik mit.

Wie sieht er die Genossen heute? „Die SPD macht das alles nicht schlecht“, sagt er. Mit Martin Schulz wurde seiner Meinung nach ein ganz hervorragender Repräsentant der Partei zum Kanzlerkandidaten gemacht. „Das war wie ein Befreiungsschlag.“ Schulz habe ein Händchen für Europa, das zwischen Russland und Amerika nur als Einheit bestehen könne. Wie jede politische Kraft habe aber auch die SPD Schwächen. „Wir würden ganz viel gewinnen, wenn wir mehr für benachteiligte Gruppen tun würden“, ist Maraun überzeugt. Bei allem Einsatz für Flüchtlinge – „die heimische Bevölkerung darf nicht vergessen werden“.

Quelle: HNA

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