Vogelschutzbeauftragter Dr. Wulf Rheinwald erklärt

Ein Nest für Nachwuchs: So hängen Nistkästen richtig

Helfen bei der Hege und Pflege: Die Kinder des Treysaer Waldkindergartens mit ihren Erzieherinnen Annegret Heyde (rechts) und Gabriele Planz freuen sich immer über den Besuch von Dr. Wulf Rheinwald. Fotos:  Rose

Treysa. Nachwuchs steht demnächst bei den Singvögeln ins Haus: Dazu suchen sich die Vögel Nistmöglichkeiten. Gut angenommen werden Nistkästen in Gärten.

Dabei kommt es auf die richtige Platzierung an, erklärt Dr. Wulf Rheinwald, Vogelschutzbeauftragter und Ansprechpartner für den NABU-Südkreis.

Bei der Wahl des Nistkasten-Platzes sollte in erster Linie darauf geachtet werden, dass in unmittelbarer Nähe genügend Futter zu finden ist: „Die Anzahl der Nistkästen und der Bäume sollten in Relation stehen“, erläutert der Tierarzt. „Wer nur drei Bäume im Garten stehen hat, darf keinesfalls auch drei Nistkästen aufhängen. Das ist das Hauptproblem. Denn das Futterangebot reicht dann kaum für die Altvögel, schon gar nicht für die Jungen.“

Angenommen werden die Nisthilfen in der Region von verschiedenen Meisenarten, dem Feldsperling, dem Gartenrotschwanz, von Kleiber und Wendehals. „Dabei muss man wissen, dass Meisen, anders als etwa Amseln, keine 100 Meter für die Futtersuche fliegen“, verdeutlicht der Treysaer. Was viele nicht wissen: Jeder Vogel ist auf spezifisches Futter angewiesen. Grasmücken beispielsweise suchten in Hecken, Kohlmeisen flögen besonders auf Apfelspinner-Raupen. Finken fütterten in den ersten 14 Tagen ihren Jungen ausschließlich Insekten. Auf das spärlicher werdende Futterangebot in vielen Gärten haben sich die Singvögel mittlerweile eingestellt. „Die Gelege werden kleiner“, sagt Rheinwald. Was die Artenvielfalt angehe, komme der Haussperling wieder häufiger vor. Fast verschwunden sei hingegen die Schleiereule. „Getreide wird heute kaum noch in Scheunen gelagert. Damit fehlen auch die Mäuse als Nahrungsquelle“, erläutert der Vogelschutzbeauftragte.

Wer selbst einen Nistkasten bauen will – Rheinwald hält dazu Anleitungen parat – sollte zuvor bedenken, welchem Vogel die Nisthilfe zupasskommen soll. Während Kohlmeisen Fluglöcher zwischen 3,2 und 3,4 Millimeter brauchten, reiche der Blaumeise ein Loch von 2,8 Millimeter. Optimalerweise sollte das Einflugloch nach Süd-Osten ausgerichtet sein. Warum Nistkästen sinnvoll sind, erklärt Rheinwald so: „Bäume werden zu früh geschlagen, es gibt kaum noch natürliche Höhlen.“

In der Treysaer Igelsheide hat Rheinwald insgesamt 15 Nistkästen platziert, unter anderem auf dem Gelände des Waldkindergartens. Bei Hege und Pflege sind die Kita-Kinder oft dabei. „Die wissen, dass wir nach dem Winter die Nistkästen sauber machen und kontrollieren müssen. Denn zum Überwintern werden sie gern von Mäusen genutzt.“ Von der Sommerfütterung für Vögel rät der Tierarzt übrigens an: „Wir können den Tieren definitiv kein adäquates Futter anbieten.“

Quelle: HNA

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