Fenster-Rosette wird farbig verglast

Ein Stück vom Himmel über dem Portal der Kirche

Von außen dunkel: Die Farbigkeit des Glases zeigt sich dem Betrachter im Innenraum der Kirche. Auf unserem Bild spitzt Monteur Jawad Mirzahi Fensterkitt auf die Verbindungsstellen. Fotos:  Norbert Müller

Wolfhagen. Als habe man sich ein Stück Himmel in die Kirche geholt: Überirdisches Blau dominiert nun die Fensterrose über dem Nordportal der Wolfhager Stadtkirche Sankt Anna.

Element für Element wurde in dieser Woche von den Handwerkern eingesetzt, seit gestern nun ist das gläserne Kunstwerk komplett. Ein Hingucker ist´s, ein Farbenspiel, das nur dem Kirchbesucher vergönnt ist, und vor allem am Nachmittag, wenn die Sonne tief im Westen steht, seine ganze Faszination entfaltet.

Lange haben die Wolfhager warten müssen, bis die milchigen Provisorien, die seit der Nachkriegszeit das Licht durch die Rosette einfallen ließen, durch eine dauerhafte Lösung ersetzt wurden. Die farblosen Scheiben erinnerten bisher noch an die infernalischen Detonationen der Munitionslager im Gasterfelder Holz zum Ende des Zweiten Weltkriegs, deren enormen Druckwellen auch das Glas über dem Nordportal der Kirche bersten ließen.

Der seit dem Jahr 2004 bestehende Förderkreis Stadtkirche Wolfhagen, ein Ausschuss des Kirchenvorstands ebnete mit der Hilfe vieler Unterstützer den Weg zum neuen Fenster. Für die Finanzierung des Kunstwerks, das von Günter Grohs entworfen wurde, galt es, 55 000 Euro zusammenzubringen. Und das klappte dank vieler Einzelspenden, Einnahmen aus dem Kirchencafé bei den Wolfhager Stadtfesten, vieler Kollekten, dem Freiwilligen Kirchengeld und der „Aktion 1517“ des Förderkreises, die innerhalb eines Jahres allein 15 000 Euro einbrachte.

Für die Realisierung des Traums einer farbigen Fensterrose engagierte man die Firma Derix aus dem hessischen Taunusstein, deren Referenzen beeindrucken. Das Richter-Fenster im Kölner Dom stammt aus ihrer Werkstatt wie auch Fenster in der Kathedrale Notre Dame im französischen Reims. Dazu unzählige Arbeiten in den USA, in China, Taiwan, Großbritannien – in diesen Tagen also in Wolfhagen.

Ehe die insgesamt 31 Glaselemente für die Rosette gestaltet wurden, maßen Mitarbeiter der Glasmanufaktur das Wolfhager Fenster aus und fertigten Papierschablonen, um die Originale auf den Millimeter genau arbeiten zu können. „Alles ganz klassisch“, beschreibt Kunstglaser André Otto, der in Wolfhagen den Einbau leitete, die Vorbereitung.

In Zusammenarbeit mit dem Künstler haben dann die Glasveredler im Haus der Firma Derix die zerbrechlichen Einzelteile hergestellt. Verwendet wurde mundgeblasenes Glas aus einer Glashütte in Bayern, berichtete Tatjana Heck, Azubi im Bereich Glasveredlung und Glasmalerei, als kurz vor der Fertigstellung Dekan Dr. Gernot Gerlach, Kirchenvorstandsvorsitzende Ursula Muth und Förderkreisvorsitzender Günther Dreisbach die Handwerker in der Kirche besuchten.

Bei dieser Gelegenheit erfuhren die drei auch, was getan wurde, um eine größere Tiefenwirkung zu erreichen: Das Glas wurde im Ofen noch mal erhitzt. „Dadurch bekommt es eine Struktur“, erklärte Tatjana Heck.

Die einzelnen Glasstücke, ergänzte André Otto, wurden in Bleistreifen eingefasst. So entstanden die 31 Elemente, die während dieser Woche eins nach dem anderen eingebaut mit Fensterkitt an den Verbindungsstellen fixiert und mit Kalkmörtel am Maßwerk befestigt wurden.

Mit dem Einsetzen des letzten Elements änderte sich das Licht in der Kirche, das nun von der Nordseite nicht mehr ungefiltert einfällt, sondern gedämpft und verwandelt, dominiert vom Blau, der Farbe der Weite und der Unendlichkeit.

Info: Das neue Fenster wird während des Gottesdienstes am Reformationstag, Dienstag, 31. Oktober, 10 Uhr, in Anwesenheit des Künstlers Günter Grohs eingeweiht werden.

Quelle: HNA

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