Amtsgericht in Treysa öffnete seine Türen für Besucher und informierte

Tag der Justiz: Einblick in knifflige Fälle

Seit 15 Jahren Schiedsmann: Hajo Meiffert aus Ziegenhain klärte über das Thema Nachbarschaftsstreit auf, Theresa Knoche und Jana Spomer (von links) hörten aufmerksam zu. Fotos: Rose

Treysa. Zum Tag der Justiz öffnete Sonntag das Amtsgericht in Treysa seine Türen für Besucher. Die Mitarbeiter von insgesamt 73 hessischen Gerichten gaben Einblick in ihre Arbeit.

Im Steinkautsweg stellten sich unter anderem die Richter Gerhard Glaessel und Michael Grebe den Fragen der Gäste zum Thema Strafverfahren. Über Patientenverfügung informierte Richter Tim Voorhoeve. Gerichtsvollzieher Bruno Block bot eine Sprechstunde an. Mehr erfahren konnten Besucher auch über die Ausbildungsberufe bei der Justiz: Rede und Antwort standen dazu die Rechtspfleger Dirk Friedrich und Sarah Schuster.

Hajo Meiffert aus Ziegenhain hat seit 15 Jahren das Ehrenamt des Schiedsmannes inne. Er plauderte aus dem Nähkästchen und verdeutlichte, welche Aufgabe Schlichter übernehmen: „Das Amt wurde 1827 im Königreich Preußen eingeführt“, erklärte Meiffert. Seit 1998 gebe es in der zivilen Prozessordnung außerdem das so genannte Einführungsgesetz: „Das bedeutet, dass manche Fälle sogar als erstes – also bevor es vor Gericht geht – zum Schiedsmann müssen.“ Angestrebt werde immer der Vergleich. „Schlichten, nicht richten“ sei das Motto, sagt Meiffert.

Die Schlichter haben keine juristische Ausbildung, werden aber ständig geschult. „Und wir unterliegen der Aufsicht des Amtsgerichtes.“ Denn die Fälle, mit denen sich Schlichter beschäftigen, sind nicht ohne: „Das geht vom klassischen Nachbarschaftsstreit über Hausfriedensbruch, Verleumdung bis hin zu Sachbeschädigung“, erläutert der Schiedsmann.

Schlichten, nicht richten

Hajo Meiffert hat schon zwischen so manchen Streithähnen vermittelt: „Ich hatte Leute vor mir sitzen, die nach Jahren zum ersten Mal wieder miteinander geredet haben.“ An einen besonders kniffligen Fall erinnert sich Meiffert noch genau. Ein Mann habe sich über die zu hohen Fichten des Nachbarn aufgeregt. Doch die Bäume hatten Bestandsschutz. Tags darauf fand der Nachbar nur noch Stümpfe vor. „Da hatte ich es dann mit Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Diebstahl zu tun“, erklärt Meiffert. Und er habe ermitteln müssen, was eine Neupflanzung koste: „Damals 2000 DM.“ Die bezahlte zwar der Sünder, der Nachbar gab sich aber damit nicht zufrieden: „Er sagte, ihm sei es nun nicht um die Fichten gegangen, sondern darum, dass ihm die Katze von nebenan aufs Grundstück kackt.“ (zsr)

Quelle: HNA

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